Ruth Metzler würde Aeschi zwar nicht mehr schlagen. Sie wurde 1999 mit nur knapp 35 Jahren in den Bundesrat gewählt. Mit seinen 36 Jahren wäre Aeschi aber trotzdem eines der jüngsten Regierungsmitglieder. Der Zuger Nationalrat verkörpert die neue Generation von SVP-Politikern.

Aeschi ist jung, gut ausgebildet, strategisch denkend, alles andere als hemdsärmelig. Der Benjamin im Kandidatenfeld der SVP studierte an der Universität St. Gallen, schloss mit 23 Jahren die erste akademische Ausbildung ab, arbeitete zwei Jahre bei einer Grossbank, startete im Anschluss an der renommierten Harvard University einen Masterstudiengang in «Public Administration» und arbeitet seither bei einer globalen Strategieberatungsfirma.

Seit 2005 in der SVP

Auch politisch machte Aeschi schnell Karriere: Seit 2005 gehört er der SVP an. 2007 kandidierte er im Kanton Zürich auf der Liste der SVP International für den Nationalrat, allerdings vergeblich. 2009 wurde er Präsident der Ortspartei Baar. Ein Jahr später holte er einen Sitz im Kantonsrat, 2011 wurde er Vizepräsident der Zuger SVP, im gleichen Jahr schaffte er den Sprung in den Nationalrat, wo er der Kommission für Wirtschaft und Abgaben sowie der EFTA/EU-Parlamentsdelegation angehört.

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Seit März dieses Jahres ist Aeschi zudem Präsident der Zuger SVP, die wegen der Sex-Affäre um Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin unruhige Zeiten durchmachte. Aeschi hatte nicht zuletzt die Aufgabe, die Wogen in der Partei wieder zu glätten.

Politische «Erweckung»

Der Unternehmensberater stammt aus dem kleinen Dorf Allenwinden am Zugerberg. Sein «politisches Erweckungserlebnis» war die EWR-Abstimmung im Jahr 1992. Damals war Aeschi gerade mal 13 Jahre alt. Er habe gespürt, dass es um eine ganz wichtige Frage gehe. Nämlich um die Unabhängigkeit und Zukunft unsere Landes, sagte er einmal in einem Interview.

Je häufiger er im Ausland war, desto mehr stellte Aeschi fest, wie gut es der Schweiz geht. Dem System der direkten Demokratie müsse unbedingt Sorge getragen werden. Deshalb dürfe man auch einen «schleichenden EU-Beitritt» nicht zulassen. In den zentralen Fragen ist Aeschi ganz auf SVP-Linie. Der ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler gilt aber auch als wirtschaftsfreundlich, liberal. Das bereitet den Weg zu einem vermeintlichen Konflikt bei der Zuwanderungspolitik.

Bilaterale wackeln nicht

Bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative gerät er aber trotz SVP-Linie nicht in ein Dilemma. Die EU werde die bilateralen Verträge nicht kündigen, zeigte er sich auf Anfrage überzeugt. Denn diese Verträge würden der EU zu viele Vorteile bieten, beispielsweise das Landverkehrsabkommen.

Auch im Zusammenhang mit der Selbstbestimmungsinitiative, die Schweizer Recht vor Völkerrecht stellen will, sieht er auf die Schweiz keine unüberwindbaren Probleme zukommen. Die direkte Demokratie sei eine der Staatssäulen der Schweiz. Diese stehe nicht im Widerspruch zum Völkerrecht, ganz im Gegenteil.

(sda/ise)