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Affäre Hildebrand: Presserat rügt «Weltwoche»

Philipp Hildebrand (l.) und «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel. (Bilder: Keystone)

Die Medien haben laut Presserat zurecht über die Devisentransaktionen von Ex-SNB-Präsident Philipp Hildebrand berichtet. Allerdings seien ihnen auch Fehler unterlaufen - insbesondere einer Zeitschrift

Veröffentlicht am 28.06.2012

Die Medien haben im Fall Hildebrand ihre Rolle als «Wachhunde der Demokratie» erfüllt, wie der Schweizer Presserat am Donnerstag anlässlich seiner Jahresmedienkonferenz in Bern festhält. Dies gelte auch für die «Weltwoche», deren Enthüllungen letztlich zum Rücktritt des Nationalbankpräsidenten am 9. Januar 2012 führten.

Für den Presserat ist es aber verfehlt, die «Schuld» am Rücktritt bei der «Weltwoche» und ihrer umstrittenen Berichterstattung zu orten. Denn: Ungeachtet der Tragweite der Devisentransaktionen der Familie Hildebrand sei dieser Vorgang von öffentlichem Interesse gewesen, heisst es in einer Stellungnahme des Presserates.

Aus berufsethischer Sicht sei es zudem positiv zu werten, dass die Medien das «ungewöhnliche» Communiqué des Bankrates der Schweizerischen Nationalbank vom 23. Dezember 2011 hinterfragt hätten. In dem Communiqué hatte der Bankrat mitgeteilt, dass Gerüchte um unzulässige Transaktionen von Hildebrand haltlos seien.

Beschwerde teilweise gutgeheissen

Der Presserat befasste sich einerseits allgemein mit der Rolle der Medien in der Affäre Hildebrand. Anderseits musste der Rat eine Beschwerde der Bank Sarasin gegen die «Weltwoche» beurteilen. Diese Beschwerde hiess der Presserat teilweise gut.

So hat die «Weltwoche» in der Beurteilung des Presserates die Wahrheitspflicht verletzt, weil sie die Hauptquelle ihrer Informationen - den Thurgauer Anwalt Herman Lei - nicht genannt hat. Hinzu kommt, das die indirekte Quelle falsch bezeichnet wurde - Kundenberater Hildebrands statt IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin. Diese falsche Information hätte die «Weltwoche» später berichtigen sollen.

Weiter rügt der Presserat, dass die skandalisierende Wortwahl der «Weltwoche» («geschniegelter Gauner», «Spekulant Hildebrand») kaum mit Fakten unterlegt war. Auch deute die Wortwahl an, dass zwischen der Weltwoche und der Quelle der Informationen die erforderliche Distanz gefehlt habe.

Sonntagspresse: Unter Einfluss von PR-Beratern?

Fehlende Distanz vermutet der Pressrat allerdings auch bei anderen Medien. Wegen ihrer einseitigen Positionierung zugunsten Hildebrands wirft der Presserat die Frage auf, ob sich die Sonntagspresse durch PR-Berater oder durch der Nationalbank nahe stehende Kreise habe beeinflussen lassen.

Eine weitere Rüge muss sich die «Weltwoche» gefallen lassen, weil sie die publizierten Bankkontoauszüge von Hildebrand nicht als «Montage» gekennzeichnet hat, zumal die Illustration den Kern der Kritik an Philipp Hildebrand belegt.

(laf/chb/sda)

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