Der ehemalige Sprecher des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff ist wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ins Visier der Justiz geraten. Wie die Staatsanwaltschaft Hannover mitteilte, durchsuchte sie gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Privat- und Geschäftsräume von Olaf Glaeseker, ein langjähriger Vertrauter des deutschen Staatsoberhauptes.

Auch der Eventmanager Manfred Schmidt stehe im Visier. Die Durchsuchungen fanden in Wunstorf bei Hannover, Berlin und der Schweiz statt. Die Ermittler stellten Computerdateien und Dokumente sicher. Den Beschuldigten werde Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung vorgeworfen. Laut «Bild Online» betrafen die Durchsuchungen in der Schweiz die Räume von Manfred Schmidt.

Eventmanager Manfred Reinhold Schmidt betreibt in Zug an der Chamerstrasse seine «Manfred Schmidt Media GmbH», die sich auf die «Entwicklung neuer Kommunikationskonzepte» spezialisiert hat.

Er «bringt die Mächtigen des Landes oder jene, die es gerne wären, zusammen - Politiker, Wirtschaftsgrössen, Promis», schreibt «Spiegel Online» über Schmidt. «Rund 20'000 Premium-Kontakte sollen in seiner Datenbank gespeichert sein.» Der «Stern» nannte ihn den «Strippenzieher der Elite».

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Ohne Angabe von Gründen entlassen

Aufgrund von Medienberichten und Ermittlungen bestehe der Verdacht, dass Glaeseker zwischen 2007 und 2009 im Rahmen seiner damaligen Dienstgeschäfte die Finanzierung einer von Schmidt ausgerichteten Veranstaltungsreihe gefördert habe, teilte die Staatsanwaltschaft Hannover mit. Als Gegenleistung soll Glaeseker mehrfach unentgeltlich Urlaube in Feriendomizilen Schmidts verbracht haben.

In den vergangenen Wochen waren bei den Strafverfolgern in Hannover im Zusammenhang mit Wulffs Kreditaffäre zahlreiche Anzeigen gegen das Staatsoberhaupt, aber auch gegen Glaeseker eingegangen.

Wulff hatte seinen langjährigen Vertrauten kurz vor Weihnachten ohne Angabe von Gründen entlassen. Während es bei Wulff laut Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt und kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, hatte die Behörde bei Glaeseker zuletzt davon gesprochen, das weitere Vorgehen zu prüfen.

Druck auf die Medien

Der Bundespräsident steht in Deutschland wegen einem umstrittenen Kredit und seinem Verhalten gegenüber der Presse seit Wochen stark unter Druck. Der Inhaber des höchsten deutschen Staatsamtes, das grösste Integrität verlangt, verschwieg vor seiner Amtseinsetzung 2010 einen anonymen Privatkredit in Höhe von über einer halben Million Euro. Damit dürfte Wulff gegen das Ministergesetz verstossen haben.

Ausserdem geriet er in die Schlagzeilen, weil er den Axel Springer Verlag (zu dem auch die «Handelszeitung» gehört) massiv unter Druck setzte. Einen Tag vor Veröffentlichung versuchte Wulff unter Androhung von Strafanzeigen Artikel zur Kreditaffäre zu verhindern.

(tno/chb/sda)