Ebola, Terrorismus, Hunger – Afrika hat im Westen meist keine gute Presse. Dabei ist der Kontinent längst nicht nur ein Abgrund des Elends. Viele afrikanische Länder haben enormes Potenzial. Südsudan und Sierra Leone waren 2013 die Länder mit dem weltweit grössten Wirtschaftswachstum. Sechs weitere Länder in Schwarzafrika finden sich gemäss CIA World Factbook in den Top-20 wieder.

Obwohl die Aussagekraft des blossen Wirtschaftswachstums sicherlich beschränkt ist: Afrika bietet viele unternehmerische Möglichkeiten. Es ist deshalb verständlich, dass die USA beginnen, sich um den Kontinent zu bemühen. Die Frage ist nur: Kommt das Engagement zu spät?

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Fördern und fordern

Der dreitägige Afrika-Gipfel in Washington ist ein starkes Zeichen. Fast 50 Staats- und Regierungschefs kommen dazu heute in die amerikanische Hauptstadt. Für Präsident Barack Obama ist klar: «Sicherheit, Wohlstand und Gerechtigkeit in der Welt sind nur mit einem starken, erfolgreichen und selbstsicheren Afrika möglich.»

Das Mammut-Treffen steht unter dem Motto «In die neue Generation investieren». Die Ziele reichen indes weit über die Entwicklungspolitik hinaus. «Wir sollten den Fokus unseres Engagements vermehrt auf den Handel richten, anstatt auf die Hilfe», fordert etwa der demokratische Senator Chris Coons in einem Kommentar auf CNN. Ansonsten drohe die USA den Anschluss an China zu verlieren.

China exportiert dreimal mehr

Der Gipfel in Washington zeugt denn auch von einer gewissen Torschlusspanik. China hat das Potenzial des Kontinents schon lange erkannt. Die Volksrepublik baut Strassen, Eisenbahnlinien und Flughäfen, exportiert seine Waren und kriegt dafür Rohstoffe. In den letzten fünfzehn Jahren wurde China zu Afrikas wichtigstem Handelspartner. Die Exporte übertreffen jene der Vereinigten Staaten inzwischen um das Dreifache.

Mit dem Gipfel versucht Amerika nun die eigenen Vorzüge in den Vordergrund zu stellen. «Wir werden eine Reihe von Projekten in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung sowie Elektrizität und Energie bekanntgeben», sagt Rajiv Shah, Chef der staatlichen Hilfsorganisation Usaid, gegenüber Reuters. Anders als China seien die Amerikaner nicht nur an den Rohstoffen interessiert, heisst der implizite Vorwurf.

Ideologisierte Politik

Die Afrikaner erwarten in Washington Milliardendeals. Ob dies aber ausreicht, um im neu entbrannten Buhlen um den afrikanischen Kontinent Boden gut zu machen, ist fraglich. China investiere ohne weitere Bedingungen zu stellen in die Infrastruktur der Länder, schreibt Senator Coons. Die USA hingegen verfolgten eine ideologisierte Politik in Afrika.

Bestätigen lässt sich diese Einschätzung durch die Teilnehmerliste. Robert Mugabe (Simbabwe), Omar al-Bashir (Sudan), Catherine Samba-Panza (Zentralafrikanische Republik) und Isaias Afewerki (Eritrea) wurden aus politischen Gründen nicht eingeladen. Die Präsidenten von Sierra Leone und Liberia wollen wegen der Ebola-Epidemie zu Hause bleiben.

«Das nächste China»

Ob das Treffen denn auch wirklich einen Wandel von der «Hilfe» zu «Investitionen und Handel» bedeutet, wie Donald Kaberuka, Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, glaubt, ist schwer abzusehen. Und der Wille afrikanischer Politiker sich von Washington belehren zu lassen, sinkt nach Einschätzung von Experten mit dem zunehmenden Engagement von China.

Für Senator Coons ist aber eines klar: «Afrika wird der nächste grosse Wachstumsmarkt und die Chance fürs 21. Jahrhundert sein.» China werde «das nächste China» nicht verpassen. «Und die USA sollten dies auch nicht tun».