Der Vorstand des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) will mit einer Volksinitiative die AHV stärken. Die monatlichen Renten sollen um 10 Prozent oder rund 200 Franken steigen, wie SGB-Präsident Paul Rechsteiner in der «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio DRS sagte.

Nach Auskunft des SGB stehen zwei Modelle zur Diskussion. Bei einer Variante sollen insbesondere Menschen mit tiefen und mittleren Einkommen von höheren Renten profitieren. Bei der anderen Variante sollen alle Renten um 10 Prozent steigen. Die Idee ist Resultat der Diskussion «AHVplus», welche der Gewerkschaftsbund seit 2010 führt.

Zusätzliche Lohnprozente

Die Mehrkosten von 3,6 bis 5,5 Milliarden Franken würden über die Lohnprozente finanziert. Dies entspräche je 0,65 bis 0,8 zusätzlichen Lohnprozenten für Arbeitnehmende und Arbeitgeber, wie SGB-Sprecher Thomas Zimmermann auf Anfrage erklärte.

Den Zeitpunkt der Ankündigung begründete Rechsteiner im Radiointerview mit der geplanten Gesamtschau über die Altersvorsorge von Bundesrat und Parteikollege Alain Berset. Die Gewerkschaften müssten jetzt Einfluss nehmen und konkrete Vorschläge unterbreiten.

Lebenslage verbessern

Der St. Galler Ständerat Rechsteiner zeigte sich überzeugt, dass sowohl Rentnerinnen und Rentner als auch die heutigen Erwerbstätigen die Idee unterstützen. Die AHV sei «die zentrale Säule des Zusammenhalts des Landes». Da künftig die Renten der zweiten Säule sinken würden, «braucht es bessere AHV-Renten». Damit könne die Lebenslage vieler Menschen verbessert werden.

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Der definitive Entscheid über eine Initiative liegt bei der Delegiertenversammlung. Derzeit stellt der SGB den Initiativtext fertig. Als Zeithorizont für den Start der Unterschriftensammlung gilt das Frühjahr 2013. «Ich gehe davon aus, dass das Projekt kommen wird», sagte Rechsteiner.

Der vpod will 20 Prozent

Der Vorschlag wird nicht nur in der Politik, bei der Wirtschaft und der Gesellschaft zu Diskussionen führen. Auch SGB-intern stehen sich schon jetzt unterschiedliche Forderungen gegenüber.

Ebenfalls am Samstag hat nämlich der vpod, der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste, entschieden, vom SGB eine AHV-Initiative mit 20 Prozent höheren Renten zu fordern. AHV und IV sollen gemäss Mitteilung beide ausgebaut werden.

Laut vpod-Generalsekretär Stefan Giger müsste eine 20-prozentige Rentenerhöhung mit 1,06 Lohnprozenten je Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanziert werden.

«AHVplus»

Der Gewerkschaftsbund diskutiert unter dem Titel «AHVplus» seit 2010 über die Idee eines sorgenfreien Rentenalters auch für Menschen mit kleinerem Einkommen. Die Bundesverfassung verlange, dass alle ihr gewohntes Leben nach der Pensionierung in angemessener Weise weiterführen könnten, sagte Rechsteiner damals.

60 Prozent des letzten Einkommens reichten für jene, die 10'000 Franken und mehr verdienten. Für die Mehrheit mit einem Monatslohn von lediglich 4000 bis 7000 Franken seien 60 Prozent aber zu wenig.

(vst/sda)