Als am 22. Februar Aktivisten der Maidan-Bewegung den 137 Hektar grossen Palast Viktor Janukowitschs nahe Kiews besetzten, fanden sie Hunderte Aktenordner vor, die in den angrenzenden Stausee geworfen wurden. Papiere schwammen auf dem Wasser, Aktenordner sanken auf den Grund. Kurze Zeit später machten sich Freiwillige ans Einsammeln der Dokumente, auch Taucher fischten die Akten vom Grund des Sees.

Die Auswertung der insgesamt über 22'400 Dokumente dauert. Zuerst wurden einige in Janukowitschs Sauna getrocknet, dann in der Villa eingescannt und auf Yanukovychleaks.org ins Internet gestellt. Die Zugriffe auf die Dokumente gehen bereits in die Millionen.

Baupläne für Kempinski-Hotel

Die Ausbeute der Akten verspricht neue Erkenntnisse zum Janukowitsch-Clan. Bereits zeigt sich die panische Angst des Ex-Präsidenten vor Journalisten. Seine Leibgarde überwachte die Journalistin Tetjana Tschernowil auf Schritt und Tritt - sie erfrechte sich, über Janukowitschs Luxusresidenzen zu berichten.

Auch die Weltpresse wurde ausgewertet - dazu zahlte Janukowitsch einer Agentur über 5 Millionen Dollar. Für ein Kempinski-Hotel auf Jalta plante das Präsidentenpaar offenbar auch Grosses - Baupläne wurden in der Villa gefunden. 

Auf einer Schwarzen Liste befanden sich alle Aktivistinnen der Frauengruppe Femen - ihre Oben-Ohne-Auftritte waren offenbar von grösster Gefahr für den Clan.

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«... wir werden überleben, obwohl wir Gesetzlose sind»

Sprechend ist ein Werbevideo des privaten Jagdklubs Jakunowitschs, das die Maidan-Aktivisten in dessen Gästehaus fanden. Die Mitgliedschaft in diesem Club kostete mehrere Millionen Dollar. Das Video zeigt ein Rudel Wölfe, mit einer Stimme im Hintergrund: «Wir sind Wölfe und wir werden gejagt. Doch wir überleben, obwohl wir Gesetzlose sind.»