Im Februar wurde bekannt, dass Alice Schwarzer, Frauenrechtlerin und Gründerin der Frauenzeitschrift «Emma», Steuern hinterzogen hat. Sie bunkerte heimlich Geld auf einem Schweizer Bankkonto. Um einer Strafverfolgung zu entgehen, leistete die Feministin, die sich in den vergangenen Jahrzehnten sich immer wieder als moralische Instanz in der Öffentlichkeit präsentierte, eine Nachzahlung von 200'000 Euro an Steuern plus Zinsen. Schwarzer dachte, dass die Sache damit vom Tisch sei. Weit gefehlt.

Laut «Spiegel» hat sie womöglich noch mehr Steuern hinterzogen als bisher bekannt. Es soll um Einnahmen gehen, die Schwarzer bei ihrer Selbstanzeige wegen eines heimlichen Millionenkontos in der Schweiz verheimlicht haben soll. Mitte Mai hätten die Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung Köln private Räumlichkeiten der Journalistin durchsucht. Die Ermittler hätten den Verdacht, dass sie am Fiskus Steuern aus selbstständiger Arbeit vorbeigeschleust habe. Es soll sich um einen sechstelligen Betrag handeln.

Strafanzeige eingereicht

Wenn sich der neuste Verdacht erhärten würde, dann wäre Schwarzer Selbstanzeige unwirksam, so der «Spiegel». Diese hätte nur dann einen Befreiungsschlag bedeutet, wenn sie dabei alle relevanten Steuervergehen gebeichtet hätte. So könnte Schwarzer nun für alle hinterzogenen Summen ein Strafverfahren drohen. Dieses würde auch die Erträge aus der Schweiz betreffen, für die sie bereits Nachsteuern bezahlt hat.

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Der «Spiegel» wollte bei Schwarzers Anwalt nachhacken. Dieser liess verlauten, dass bereits die Anfrage des Nachrichtenmagazins in Bezug auf den neuen Verdacht die Privatsphäre und das Steuergeheimnis verletze. Aus Behördenkreisen seien offenbar Information widerrechtlich nach aussen gedrungen. Man habe daher Strafanzeige gegen unbekannt erstattet.