Vier Tage nach dem Anschlag von Barcelona sind alle mutmasslich Verantwortlichen entweder tot oder in Haft. Am Montag erschoss die Polizei bei einem Einsatz westlich der katalanischen Hauptstadt den noch flüchtigen Hauptverdächtigen Younes Abouyaaqoub. Er soll am Steuer des Lieferwagens gesessen haben, mit dem am Donnerstag auf der Flaniermeile Las Ramblas Passanten überfahren und 13 von ihnen getötet wurden.

Insgesamt kamen bei den islamistischen Anschlägen der Gruppe in Spanien 15 Menschen ums Leben. 120 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Die Polizei erklärte am Abend, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen und würden auf internationaler Ebene weitergeführt. Zu dem schwersten Anschlag in Spanien seit mehr als zehn Jahren hatte sich die Islamisten-Miliz IS bekannt.

Autofahrer erstochen

Die Fahndung nach Abouyaaqoub war auch auf europäische Staaten ausgeweitet worden. Gestellt wurde der Verdächtige nach Polizeiangaben schliesslich in einer ländlichen Gegend nahe der Stadt Subirats, 50 Kilometer westlich von Barcelona. Eine Frau habe die Polizei auf einen verdächtigen Mann aufmerksam gemacht. Er habe etwas getragen, das wie ein Sprengstoffgürtel ausgesehen habe. Dieser stellte sich jedoch später als Attrappe heraus. Medienberichten zufolge versuchte der Mann noch, durch die Weinberge zu flüchten.

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Nach der Todesfahrt in Barcelona habe Abouyaaqoub den Lieferwagen verlassen und sei in das Universitätsviertel geflüchtet, schilderte der Chef der katalanischen Polizei, Josep Lluis Trapero, die Rekonstruktion des Tatgeschehens. Dort sei er auf den 34 Jahre alten Elektroingenieur Pau Perez gestossen, der in seinem parkenden Fahrzeug sass. Der Marokkaner habe ihn erstochen und seine Leiche im rückwärtigen Teil des Kfz deponiert. Er habe sich dann ans Steuer gesetzt und Barcelona verlassen. Auf der Flucht habe er eine Kontrollstelle der Polizei durchbrochen und dabei einen Beamten verletzt. Später habe er den Wagen mit der Leiche in Sant Just Desvern abgestellt und verlassen.

Explosion in mutmasslicher Bombenwerkstatt

Es gebe keine Hinweise darauf, dass mehr als die zwölf bekannten Vedächtigen der für die Anschläge von Barcelona und Cambrill verantwortlichen Islamisten-Zelle angehörten, sagte Trapero. Fünf mutmassliche Mitglieder wurden Donnerstagnacht im Ferienort Cambrill erschossen, nachdem sie zuvor eine Frau getötet hatten. Weitere vier Verdächtige wurden von der Polizei festgenommen.

Zwei mutmassliche Attentäter starben am Mittwoch bei einer Explosion im Ort Alcanar. Die Polizei geht wegen des Fundes von Gasflaschen davon aus, dass das vollkommen zerstörte Gebäude in Alcanar die Bombenwerkstatt der Zelle war. Bei einem der beiden Toten soll es sich um den Kopf der Gruppe handeln, einen Imam, der im Ort Ripoll lebte und der zunächst spurlos verschwunden war.

(reuters/me/cfr)