Der Schweizer Agrarforscher Hans R. Herren erhält für seinen Einsatz gegen Hunger und Armut den Alternativen Nobelpreis. Der Präsident der Stiftung Biovision ist laut deren Angaben der erste Schweizer, der mit diesem seit 1980 verliehenen Preis ausgezeichnet wird.

Gemäss Biovision rettete er mit einem biologischen Programm zur Schädlingsbekämpfung in Afrika Millionen von Menschen das Leben. Mit seiner Stiftung helfe Herren heute Landwirten, «Hunger, Armut und Krankheit durch biologischen Landbau zu bekämpfen».

Für Hans Herren ist Preis Ehre und Motivation

Das Schaffen von Hans R. Herren wird in der Mitteilung als «bahnbrechende praktischer Arbeit» bezeichnet, die einer «gesunden, sicheren und nachhaltig globalen Nahrungsversorgung den Weg bahnt.»

Die Auszeichnung, die von der Right Livelihood Award-Stiftung vergeben wird, ist mit 57'000 Euro dotiert. Insgesamt verteilt die Organisation 230'000 Euro an vier Preisträger.

Als eine «sehr erfreuliche Nachricht» hat Agrarfoscher Hans Herren den ihm zugesprochenen Alternativen Nobelpreis bezeichnet. Für ihn sei der Preis Anerkennung, aber auch Motivation für die weitere Arbeit, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

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Vor rund zehn Tagen habe er von der Ehre erfahren. Die Summe von 57'000 Euro werde er einsetzen für die weitere Umsetzung seiner Projekte im ökologischen Landbau, etwa für ein Pilotprojekt in Senegal.

Hans Herren ist Präsident der Stiftung Biovision, die Landwirten in Afrika durch ökologischen Landbau hilft, Hunger, Armut und Krankheit zu bekämpfen.

Konkret geht es Hans Herren um die Umsetzung des Welt-Agrarbericht (IAASTD), der 2008 von 59 Ländern angenommen wurde und der einen radikalen Kurswechsel in der Landwirtschaft forderte. Weg von der industriellen Massenproduktion, hin zur ökologischen Landwirtschaft mit Kleinbauern in Zentrum, so der Grundtenor. Hans Herren war Co-Präsident der IAASTD.

Schlechte Erfahrungen

Das Umdenken in der Landwirtschaft sei ihm seit je her ein Anliegen, sagte Herren gegenüber der sda weiter. Als Sohn eines Landwirts im Wallis habe er die negativen Auswirkungen der Einführung von Herbiziden und Pestiziden miterlebt. «Das nahm kein Ende. Jedes Jahr musste man mehr spritzen und mehr düngern», so Herren. Diese Erfahrungen haben ihn geprägt. Er habe sich darum entschieden, Agronomie zu studieren.

Hans Herren wurde am 30. November 1947 geboren. Er studierte Insektenkunde an der ETH in Zürich und schrieb seine Doktorarbeit über biologischer Schädlingsbekämpfung.

Am Tag der Verkündung der Auszeichnung ist Herren in Zürich, gerade zurück aus New York, wo er entsprechende Gespräche mit UNO-Vertretern führte.

Kampf gegen Chemiewaffen

Der US-Amerikaner Paul Walker bekommt den Preis inmitten der aktuellen Diskussion um die Vernichtung von Syriens Giftgas-Vorräten als «einer der effektivsten Wegbereiter für die Abschaffung von Chemiewaffen».

Walker habe sich als Direktor für «Environmental Security and Sustainability» beim Internationalen Grünen Kreuz «unerbittlich» für die Umsetzung der Konvention zum Verbot von Chemiewaffen eingesetzt, hiess es in der Begründung der Stiftung. Die Konvention wird gegenwärtig von 189 Staaten getragen.

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«Die Chemiewaffenkonvention ist eigentlich ein Erfolgsmodell gewesen», will der Direktor der Stiftung, Ole von Uexküll, mit der Auszeichnung auch zeigen - und richtet dabei den Blick auf die Lage in Syrien.

Durch Walkers Einsatz seien schon Zehntausende Tonnen chemischer Waffen aus sechs nationalen Arsenalen sicher vernichtet worden. Jetzt konzentrierten sich seine Bemühungen auf den Beitritt der übrigen Staaten zu dem Pakt. Syrien soll am 14. Oktober Mitglied werden.

Einsatz für vergewaltigte Frauen

Den Arzt Denis Mukwege ehrt die Stiftung für sein Engagement für vergewaltigte Frauen in seiner Heimat, der Demokratischen Republik Kongo. In einem Spital in Süd-Kivu behandelt der Gynäkologe unermüdlich Opfer sexueller Kriegsgewalt.

Seit Jahren setzt er sich öffentlich dafür ein, deren Peiniger zur Rechenschaft zu ziehen. Auch ein Attentat auf ihn, bei dem statt Mukwege einer seiner Mitarbeiter starb, brachte ihn nicht dazu, aufzuhören. Mukwege wird auch als Anwärter für den Friedensnobelpreis gehandelt.

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Der Anwalt Radschi Surani erhält den Preis, weil er sich "furchtlos und vorurteilsfrei für die Menschenrechte in Palästina und der arabischen Welt" einsetzt. Im Gazastreifen dokumentiere Surani Menschenrechtsverletzungen, vertrete Opfer und bilde inzwischen auch syrische Juristen aus.

Auszeichnungen seit 1980

Mit dem Alternativen Nobelpreis - offiziell Right Livelihood Award (Preis für richtige Lebensführung) - werden jedes Jahr Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden ausgezeichnet.

Der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll rief den Preis 1980 als Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen ins Leben. Seitdem wird die Auszeichnung jedes Jahr an mehrere Preisträger vergeben, die praktische und beispielhafte Antworten auf die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit finden und erfolgreich umsetzen.

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Damit hat die nach dem Preis benannte Stockholmer Stiftung insgesamt schon 153 Preisträger aus 64 Ländern geehrt. Nach der Vergabe unterstützt und begleitet die Stiftung die Preisträger weiter. Finanziert wird der Right Livelihood Award heute aus privaten Spenden.

(sda/chb/aho)