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Alterung stellt Kantone vor grosse Herausforderungen

Vorsorge: 2015 wurden in der Schweiz erstmals mehr Personen 65 als 20 Jahre alt. Keystone

Das Schweizer Vorsorgesystem steht schlechter da als noch Anfang 2015. Zu diesem Resultat kommt der neue UBS-Vorsorgeindex. Nicht allen Kantonen drohen die gleichen Belastungen.

Veröffentlicht am 14.06.2016

Seit Anfang 2015 hat sich die Situation des Schweizer Vorsorgesystems deutlich verschlechtert. Dies zeigt der neue UBS-Vorsorgeindex, der als Pulsmesser gilt, wie es um das Schweizer Vorsorgesystem steht.

Der deutliche Rückgang des Vorsorgeindexes ist hauptsächlich auf zwei Faktoren zurückzuführen, wie die UBS am Dienstag mitteilte. Erstens hat sich die Altersstruktur der Schweizer Bevölkerung weiter hin zu den Rentnern verschoben.

Übergewicht der Neurentner

2015 wurden in der Schweiz zum ersten Mal mehr Personen 65 als 20 Jahre alt, es schieden also erstmals mehr Personen aus dem Arbeitsleben aus, als eintraten. Zweitens gab es im letzten Jahr wegen der Aufhebung der Euro-Mindestkurses einen konjunkturellen Einbruch.

Die Grossbank errechnet diesen neuen Index aus Daten aus vier Bereichen. Neben der Demografie und der Wirtschaftsentwicklung, bezieht die UBS bei der Berechnung auch die Börsenentwicklung und die Systemänderungen durch Reformen ein.

Tessin und Jura sind besonders gefordert

Neben dem Index hat die Grossbank auch zum ersten Mal berechnet, wie stark die einzelnen Kantone durch die Alterung der Bevölkerung herausgefordert sind. Besonders hohe Belastungen kommen gemäss diesen Berechnungen auf die Kantone Tessin und Jura zu. Hohe Mehrbelastungen kommen auch auf die Kantonen Bern, Wallis, Neuenburg, Uri, Genf, Solothurn, Basel und Schaffhausen zu.

Auf der anderen Seite der Skala befinden sich die Kantone Zug, Zürich, Schwyz, Aarau und Freiburg, die dank einer jüngeren Bevölkerung oder einer komfortableren finanzieller Lage des Staates und der Privatpersonen besser dastehen. Ohne Reformen droht gemäss der UBS aber auch diesen Kantonen ein beträchtlicher Anstieg der Schulden.

Lücke von über einer Billion Franken

Im Zusammenhang mit dem Umbau der Altersvorsorge hat die UBS berechnet, wie stark sich die jetzt diskutierten Reformen auf die finanzielle Situation der AHV auswirken werden. Gemäss der aktuellen Gesetzeslage klafft in der Kasse der AHV eine Lücke von 1060 Milliarden Franken. Dies ist die gemäss der UBS die Differenz zwischen den abgegebenen Leistungsversprechen und den gesamten Einnahmen.

Wenn sich der Entwurf des Bundesrates für die Altersvorsorge 2020 durchsetzt, halbiert sich diese Deckungslücke auf 501 Milliarden Franken. In der Variante des Ständerates gäbe es eine Reduktion um 380 Milliarden Franken auf noch 680 Milliarden Franken. Die Reform wird demnach gemäss UBS die Situation der AHV zwar verbessern. Weil die Deckungslücke aber auch so noch sehr gross bleiben werde, seien weitere Reformen nötig.

Auch Pensionskassen stehen derzeit vor grossen Herausforderungen. Wie ZKB-Experte Iwan Deplanzes die jüngste Entwicklung bei der Zielrendite einschätzt, warum die Risiken in der Asset Allocation breiter gestreut werden und was passieren muss, um das strukturelle Ungleichgewicht in der Vorsorge zu beheben, das erläutert er im Video-Interview von awp.

(sda/jfr/ama)

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