Die USA rüsten sich für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Während Aussenminister John Kerry überraschend den Irak besuchte, erwägt Präsident Barack Obama offenbar, die Luftangriffe gegen den IS in Irak auf Syrien auszuweiten.

Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf einen ungenannten hohen Regierungsvertreter, Obama sei bereit, Luftschläge gegen die Miliz auch in Syrien zu genehmigen. Seit einiger Zeit lassen die USA bereits unbemannte Aufklärungsflugzeuge über Syrien fliegen, um Informationen über den Islamischen Staat zu sammeln.

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Amerika von Irak traumatisiert

Obama will in einer Rede zur Lage der Nation seinen Plan zur Vernichtung der IS-Miliz vorstellen. Es dürfte ihm bei der Ansprache darum gehen, die Amerikaner nach dem 2003 begonnenen Irakkrieg mit mehr als 4400 getöteten US-Soldaten auf einen weiteren längerfristigen Einsatz einzustimmen.

Bislang bombardieren US-Kampfflugzeuge die Extremisten nur im Irak. Die Terrormiliz beherrscht in beiden Ländern riesige Gebiete. Waffen und Kämpfer können die bisherige Grenze zwischen Syrien und dem Irak ungehindert passieren. Die Miliz kann deswegen laut Experten nur dann ausgeschaltet werden, wenn sie auch in Syrien bekämpft wird.

Obama auch politisch unter Druck

In seiner Rede am Mittwochabend (Ortszeit) muss Obama zugleich seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die ihm eine zaghafte Reaktion auf den IS-Vormarsch vorwerfen. Einen Einsatz von bewaffneten US-Bodentruppen im Irak und Syrien hat er ausgeschlossen.

Am Dienstag hatte der US-Präsident führende Kongressmitglieder über den Anti-IS-Kampf informiert. Dabei ging es ihm nicht darum, die laufenden Militärschläge im Irak und potenzielle Schritte im benachbarten Syrien billigen zu lassen. Letztlich lägen solche Entscheidungen bei Obama als Oberbefehlshaber der Streitkräfte, hatte zuvor bereits einer seiner Sprecher deutlich gemacht.

Kerry wirbt für Bündnis gegen IS

Kerry traf am Mittwoch ohne Vorankündigung in der irakischen Hauptstadt Bagdad ein. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte er mit, er werde unter anderem den neuen Regierungschef Haidar al-Abadi und Aussenminister Ibrahim Dschafari treffen.

Kerry besucht Bagdad nur zwei Tage, nachdem das irakische Parlament das neue Kabinett abgesegnet hat. Mit der Regierung aus Schiiten, Sunniten und Kurden verbindet sich die Hoffnung, die IS-Terrormiliz auch politisch stärker bekämpfen zu können. Kerry wird anschliessend nach Jordanien und Saudi-Arabien weiterreisen. Dort will er für einen gemeinsamen Kampf gegen den IS werben.

Anschlag auf Rebellenführer in Syrien

Bei einem Bombenanschlag auf eine der grössten Rebellengruppen in Syrien wurde unterdessen neben deren Anführer fast die gesamte Führung der Miliz getötet. Bei dem Attentat seien 40 bis 50 Kämpfer der islamistischen Organisation Ahrar al-Scham umgekommen, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Die Bombe war am Dienstag nach Angaben von Aktivisten bei einem Treffen der Al-Scham-Führung in Ram Hamdan in Nordwestsyrien explodiert. Dabei starb auch ihr Chef Hassan Abud. Neuer Anführer der Miliz ist laut den Menschenrechtsbeobachtern Haschim Al-Scheich.

Ahrar al-Scham gehört dem Oppositionsbündnis Islamische Front an, die das Regime von Präsident Baschar al-Assad bekämpft. Zunächst war unklar, wer für den Anschlag verantwortlich ist.

(sda/ise/ama)