Verwirrung in Nikosia: Die zyprischen Banken werden ohne Ausnahme erst am Donnerstag wieder öffnen. Dies gab am späten Montagabend der zyprische Finanzminister Michalis Sarris bekannt.

Zur Begründung für die kurzfristige Änderung verwies das Finanzministerium auf die «ebenmässige Funktion des gesamten zyprischen Bankensystems». Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Ministeriums erfuhr, hängt die Änderung damit zusammen, dass die kleinen Banken heftig gegen ihre Öffnung getrennt von den grossen protestiert hätten. Sie hätten einen Ansturm der Kunden befürchtet.

Zuvor hatte es geheissen, dass kleinere Genossenschaftsbanken und die drittgrösste Bank, die Hellenic Bank, bereits am Dienstag wieder öffnen würden. Die Bank of Cyprus und die Popular Bank («Laiki») würden hingegen erst am Donnerstag ihre Geschäfte aufnehmen, schrieb die Zentralbank in einer Mitteilung. Zuvor hatte der zyprische Rundfunk unter Berufung auf die Zentralbank in Nikosia berichtet, dass bei den beiden grösseren Geldhäusern die Systeme noch angepasst werden müssen.

Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Liquiditätsversorgung der Banken in Zypern zugesichert. Der EZB-Rat habe beschlossen, dass sie der Zentralbank in Nikosia über das Notkreditprogramm Emergency Liquidity Assistance (ELA) weiterhin frisches Geld zur Verfügung stelle, hiess es in einer Mitteilung. Die EZB werde die Lage in dem hochverschuldeten Euroland weiter aufmerksam beobachten.

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In der Nacht zu Montag hatte sich die Regierung von Zyperns Präsident Nikos Anastasiades milliardenschwere Hilfen der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) gesichert, dafür aber weitreichende Zugeständnisse machen müssen.

Der Rettungsplan sieht vor, den überdimensionierten Bankensektor gesundzuschrumpfen. Dabei werden anders als bei den Hilfen für Irland oder Portugal auch reiche Bankkunden viel Geld verlieren.

Einschränkungen im Kapitalverkehr

Die zyprische Zentralbank wird eine Reihe von Einschränkungen des Kapitalverkehrs verhängen, um das Bankensystem der Inselrepublik zu schützen. Das kündigte der zyprische Präsident Nikos Anastasiades  in einer Fernsehansprache an. «Ich versichere Ihnen, dass dies nicht lange dauern wird», sagte er. Die Massnahmen sollten stufenweise wieder «abgeschwächt» werden. Details nannte Anastasiades nicht.

Das in Brüssel getroffene Abkommen sei zwar «schmerzhaft», aber notwendig. «Wir kommen verletzt, aber auf den eigenen Füssen stehend heraus aus diesem Treffen», sagte Anastasiades weiter. Er kündigte an, die Verantwortlichen für die Krise zur Rechenschaft ziehen zu wollen.

Halber Bankensektor muss weg

Der Finanzsektor soll zudem bis 2018 halbiert werden und so im EU-Schnitt liegen. Kritiker werfen Zypern vor, mit niedrigen Steuern, hohen Zinsen und laxen Kontrollen dubiose Gelder angelockt zu haben.

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem zufolge soll der Rettungsplan Vorbild für andere Länder sein. Staaten mit grossen Finanzbranchen sollten sich mit deren Reduzierung beschäftigen, sagte der niederländische Finanzminister der Nachrichtenagentur Reuters.

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Im Mittelpunkt des neuen Rettungsplans stehen daher die grössten Geldhäuser des Landes, die Bank of Cyprus und Laiki. Letztere soll geschlossen werden, Tausende Jobs werden wegfallen. Konten mit Beträgen bis zu 100'000 Euro, die gesetzlich von der Einlagensicherung geschützt sind, werden auf die grössere Bank of Cyprus übergehen.

Einlagen der Laiki Bank oberhalb dieser Summe werden eingefroren und in eine sogenannte Bad Bank übertragen. Insgesamt geht es laut Dijsselbloem hier um 4,2 Milliarden Euro. Eigentlich sollte der Finanz-Sektor 5,8 Milliarden Euro einbringen. Diese Zahl gelte nun aber nicht mehr, erklärte der Niederländer.

Kontoinhaber zur Kasse

Auch die Bank of Cyprus muss verkleinert werden. Aktionäre, Anleihe-Gläubiger und als Letztes auch Konto-Inhaber müssen mit Abschreibungen rechnen, bis die Bank eine gesunde Grösse und eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht hat. Laut Finanzexperten des zyprischen Parlaments dürfte die Zwangsabgabe für reiche Kunden dort 30 Prozent erreichen. Dafür würden die Kunden Aktien des angeschlagenen Instituts bekommen.

Nach der Einigung auf das Rettungspaket für Zypern erhalten die angeschlagenen Banken des Landes weiter Nothilfen der EZB. Der EZB-Rat habe keine Einwände gegen einen entsprechenden Antrag der zyprischen Notenbank, teilten die Währungshüter am Montagabend mit. Die Entwicklung werde weiter aufmerksam verfolgt. Die EZB forderte die Regierung in Nikosia zudem auf, die Vereinbarungen umzusetzen.

Zypern kann insgesamt mit Hilfen von zehn Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm ESM und vom IWF rechnen. Das sind mehr als 50 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Das erste Geld soll im Mai fliessen. Als Gegenleistung dafür sind auch harte Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben fällig. Auch Privatisierungen und Steuererhöhungen sind vorgesehen.

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Dijsselbloem nannte die Gespräche sehr schwierig. Insidern zufolge hatte Anastasiades zwischenzeitlich mit seinem Rücktritt gedroht. Nach dem Showdown in Brüssel verliess er die Verhandlungen ohne jeden Kommentar.

Unterstützung aus Russland

In Russland stiess der Rettungsplan zunächst auf Empörung. Erst zierte sich die Regierung in Moskau tagelang - doch hält sie nun offenbar Wort und hilft dem krisengeschüttelten EU-Mitglied Zypern.

Auch für Teile des Machtapparats überraschend wies Kreml-Chef Wladimir Putin seine Regierung an, die Anstrengungen Zyperns und der Europäischen Union doch zu unterstützen. Immer wieder hat Moskau betont, zunächst müsse sich das Krisenland mit der EU auf den Kurs einigen, bevor auch Russland sich gesprächsbereit zeigt.

Die von Putin verordnete Hilfe aber ist nicht ganz selbstlos: Auf der Mittelmeerinsel liegt viel russisches - und ukrainisches - Kapital. «Zyperns Schatten ist auf Russland gefallen», schreibt die Boulevardzeitung «Moskowski Komsomolez».

Warnung vor den Folgen

Auch die Regierung warnt vor Folgen, falls Zypern und dadurch die Euro-Zone in eine Abwärtsspirale gerieten. Nicht wenige Russen - auch in der Führung - glauben ohnehin, dass die EU mit der Finanzkrise die postsowjetische Finanzwelt aufmischen will.

Um wie viel Milliarden aus Russland es sich tatsächlich handelt, kann angeblich nicht einmal Moskau selbst genau sagen. «Wir wissen nicht, ob es russisches Geld in den beiden grössten zyprischen Banken gibt, die saniert werden sollen», sagt Schuwalow. Auch in Moskauer Finanzkreisen herrscht Unklarheit, welche Auswirkungen der Rettungsplan denn nun auf russische Einlagen hat.

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(vst/awp/sda)