Hongkong braucht nicht erst ins Rampenlicht gestellt zu werden – im Gegensatz zu vielen Emerging Markets der letzten beiden Jahrzehnte. Der «duftende» Hafen im Delta des Perlflusses vermag zwar vielleicht ­seinem romantischen Namen nicht ganz ­gerecht zu werden, aber auf der Karte des ­Welthandels hat er seinen Platz seit mehr als 150 Jahren. Ob als britische Kronkolonie oder als Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China – als Freihafen und als Finanzzentrumist Hongkongs Bedeutung in Ostasien und weit darüber hinaus unbestritten.

Dabei hat sich gerade die wirtschaftliche Struktur der Stadt seit den 1980er-Jahren stark verändert. Erinnern wir uns an Franz Hohlers wunderbare Geschichte «Made in Hongkong», in der die kleine Made, nachdem sie mit Glück nach Hongkong gekommen und reich geworden ist, alle Spielzeugfabriken aufkauft und überall «Made in Hongkong» aufdrucken lässt. Von einem bedeutenden Produktionsstandort der Leichtindustrie ist Hongkong seither zum Dienstleistungszentrum mit Schwergewichten im Banken- und Logistiksektor geworden, in dem sich die Unternehmen mit Bürotürmen in der Skyline zu positionieren suchen.

Den wirtschaftlichen Erfolg verdankt Hongkong dabei zweifellos seiner geographischen Lage und seiner Rolle als Tor zu China sowie Ostasien. Selbst wenn es den wirtschaftlichen Aufschwung, insbesondere der chinesischen Küstenregionen, deutlich spürt und die Leichtindustrie längst dorthin weggezogen ist, so hat dessen Regierung ihre der wirtschaftlichen ­Offenheit und Rechtsstaatlichkeit verpflichtete Politik weiterverfolgt. Hongkong gehört wie die Schweiz zu den Gründungsmitgliedern der Welthandelsorganisation WTO und ist trotz seiner geographischen Kleinheit ein wichtiger Verfechter des freien Handels. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn Hongkong in den bekannten weltweiten Konkurrenzfähigkeits- oder Innovationsranglisten in der Regel unter den zehn Bestplatzierten zu finden ist.

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Letztes Jahr hatte ich das Glück, Hongkong einen Besuch abstatten zu dürfen. Dabei habe ich ob der eindrücklichen Skyline und des ­feinen Essens nicht nur verstanden, wieso die Stadt so viele Touristen anzuziehen vermag – natürlich mögen die vielen Läden mit Luxus­artikeln schweizerischen Ursprungs ebenfalls eine Rolle spielen... Ich konnte mir auch ein Bild machen, welche Ballung von Human- und Finanzkapital auf bloss etwas mehr als 1000 Quadratkilometern herrscht, die erst noch von Meer und Hügeln geprägt sind. Der Anlass ­meiner Mission vom 15. Oktober 2012 war in mehrerer Hinsicht ein freudiger: So trat am selben Tag das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und der Sonderverwaltungszone Chinas in Kraft, was, so hoffe ich, ­besonders unserer dort sehr aktiven Dienst­leistungsbranche helfen wird. Bereits am 1.  Oktober 2012 war das Freihandelsabkommen zwischen Hongkong und der Schweiz sowie ­ihren EFTA-Partnern in Kraft getreten.

Wenn man sich nun fragt, wie viel ein ­solches präferentielles Freihandelsabkommen zwischen Partnern bringt, welche ohnehin im ­Bereich der Industriegüter eine sehr liberale Zollpolitik verfolgen, so möchte ich zu bedenken geben, dass ein Freihandelsabkommen nicht nur Zölle senkt oder abschafft, sondern ins­besondere (noch mehr) Rechtssicherheit für ­unsere Unternehmen schafft. Nach einem Dämpfer im Zuge der globalen Finanzkrise ­entwickelt sich unser bilateraler Warenhandel ­entsprechend positiv, und das bilaterale Handelsvolumen hat seit 2000 um fast 150 Prozent zugenommen. Dabei zeigt die Aussenhandelsstatistik konstant einen deutlichen Überschuss zugunsten der Schweiz, was meiner Meinung nach vor allem mit der Funktion Hongkongs als Tor zu Festlandchina zu erklären ist. Dass so­genannte Uhrmacherwaren einen grossen Teil unserer Exporte ausmachen, bedarf dagegen wohl keiner speziellen Erklärung.

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Schweizer Qualität und Innovation kann und wird sich durchsetzen

Auch um das gewisse Ungleichgewicht unter den Warengruppen unserer Exporte ­etwas auszugleichen und vor allem um unseren kleinen und mittleren Unternehmen den Markt­einstieg als Exporteure und Erbringer von ­spezialisierten Dienstleistungen in Hongkong noch mehr zu erleichtern, freut es mich sehr, dass ich ebenfalls an jenem 15. Oktober 2012 zusammen mit dem Hongkonger Wirtschaftsminister, Gregory So, und dem Chef der Osec, Daniel Küng, einen Swiss Business Hub an ­unserem Generalkonsulat eröffnen konnte. Umgekehrt soll der Swiss Business Hub dazu beitragen, die Vorzüge der Schweiz als Inves­titionsstandort bekannt zu machen. Bislang sieht nämlich die bilaterale Direktinvestitionsbilanz sehr einseitig aus: Geringen Investitionen aus Hongkong steht nach den Zahlen der Schweizerischen Nationalbank ein Kapitalbestand von über 5 Milliarden Franken an Investitionen aus der Schweiz gegenüber. In diesem Sinne ist das Freihandelsabkommen mit Hongkong für uns ein wichtiges. Ich bin überzeugt, dass wir von Regierungsseite unseren Part gespielt ­haben und dass sich Schweizer Qualität und ­Innovation durchsetzen kann und wird.

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In diesem Zusammenhang gilt für Hongkong­ wie die Schweiz die Moral in Franz Hohlers ­Geschichte: «Klein sein allein genügt eben nicht, es gehört auch noch etwas Glück dazu.»

 

Tipps für KMU: Gute Vorbereitung – bessere Aussichten 

Hürden
Der Eintritt in jeden Markt, insbesondere in asiatische, erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Deshalb ist es wichtig, sich das nötige Marktwissen zum Land zu beschaffen. Sich bloss auf allgemein erhältliche Daten oder subjektive Tipps zu stützen, birgt das Risiko, grosse Ressourcen aufwenden zu müssen, ohne am Schluss vielleicht erfolgreich zu sein. Hongkongs dynamisches, westlich orientiertes Geschäftsumfeld ist immer noch sehr stark von traditionellen chinesischen Traditionen sowie Protokollen beeinflusst. Deshalb gilt es in Hongkong (wie in anderen fernen Märkten), oft auch kulturelle und sprachliche Hürden zu bewältigen.

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Erfolg
Der Erfolg in Hongkong führt sowohl über ein qualitativ hochstehendes Produkt als auch über sehr gute Dienstleistungen. Um Klarheit darüber zu erlangen, ob ein genügend grosser Bedarf dafür besteht, sollte in einem ersten Schritt eine Marktabklärung gemacht werden. Hongkong ist für gewisse Angebote schon ein gesättigtes oder zumindest hart umkämpftes Terrain. Man muss wirklich gute Argumente haben, um dort bestehen zu können. Wie in China basieren Geschäfte in Hongkong sehr stark auf Vertrauensbeziehungen und auf einem System von gegenseitigen Verpflichtungen und Gefälligkeiten. Deshalb braucht es nebst dem Produkt auch gute Beziehungen zum Geschäftspartner vor Ort, vor allem wenn er Asiat ist. Letztlich wird gutes Marketing über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Da gute Beziehungen laufend gepflegt werden müssen, versteht es sich von selbst, dass es nicht ausreicht, nur einen guten Kontakt zu finden, Ziele vorzugeben und die Expansion von der Schweiz aus zu betreiben. Aus diesem Grund ist regelmässige Präsenz vor Ort angebracht.

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Hilfe
Die Aussenwirtschaftsförderin Osec und der Swiss Business Hub in Hongkong mit seinem Netzwerk helfen Schweizer KMU gezielt beim Markteintritt, sei es mit Informations- und Kontaktvermittlung oder mit Beratung.

(Daniel Bont, Senior Consultant Asia Pacific und Hongkong/China-Fachmann, Osec, Zürich.)