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Annäherung gen Westen: Litauen hat den Euro

Start am 1. Januar: Litauens Präsident Algirdas Butkevicius begrüsst den Euro.   Keystone

Als 19. Staat hat Litauen seit heute den Euro. Damit ist das Baltikum komplett der Gemeinschaftswährung beigetreten. Die Länder haben sich enger an den Westen gebunden. Dennoch gibt es Skepsis.

Veröffentlicht am 01.01.2015

Mit Litauen ist heute die Eurozone in den baltischen Staaten komplettiert worden. Trotz der Spannungen mit dem grossen Nachbarn Russland hält sich die Begeisterung für die europäische Gemeinschaftswährung in der ehemaligen Sowjetrepublik in Grenzen.

Die Regierung sieht den Euro aber als Teil ihrer Strategie, Litauen unwiderruflich im Westen zu verankern - und damit ausserhalb der Einflusszone der Herrscher in Moskau, die einst über die ehemalige Sowjetrepublik bestimmten. Estland hat den Euro schon 2011 eingeführt, Lettland folgte Anfang 2014. Fortan sind alle drei baltischen Staaten Mitglieder von EU, Nato und der Euro-Zone.

19. Euro-Mitglied

Der Euro-Beitritt werde Litauen, das als 19. Mitglied zur Währungszone hinzukommt, auch sicherheitspolitisch einen Schub bringen, sagte jüngst Jyrki Katainen, der für Wachstum und Beschäftigung zuständige EU-Kommissar, bei einem Besuch in Vilnius. Der Euro könne dem Land einen «Puffer gegen geopolitische Spannungen» verschaffen, sagte er.

Auch Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), glaubt, dass der Euro-Beitritt den Litauern zumindest ein Gefühl der Sicherheit geben könnte. Er und Katainen drückte damit aus, was Litauen selbst auch auf die eigenen Euro-Münzen prägt: Die nationale Seite der litauischen Münzen ziert nämlich ein Ritter hoch zu Ross mit Schild und Schwert.

Bevölkerung gespalten

Breite Begeisterung für den Euro gibt es in Litauen dennoch nicht. In einer Umfrage durch Eurobarometer im September sprachen sich nur 47 Prozent für die europäische Gemeinschaftswährung aus, 49 Prozent waren dagegen. Denn viele der knapp drei Millionen Litauer befürchten, dass die Euro-Einführung mit Preiserhöhungen einhergehen wird.

Die Umstellung auf die Gemeinschaftswährung zieht Vilnius jedenfalls ohne grosse Übergangszeiten durch. Der Litas wird schon ab dem 16. Januar nicht mehr gesetzliches Zahlungsmittel sein. Schon seit 2002 ist die Nationalwährung fest an den Euro gebunden.

Eng mit Russland verflochten

Wirtschaftlich ist Litauen, wo fünf Prozent der Bevölkerung russische Wurzeln haben, eng mit Russland verflochten. Die hohe Abhängigkeit von russischem Erdgas konnte Vilnius nun aber überwinden. Ende Oktober ging ein schwimmendes Flüssiggasterminal im Hafen von Klaipeda vor Anker. Damit können Litauen, aber auch seine beiden baltischen Nachbarn fortan ihren Bedarf fast vollständig durch Lieferungen aus Norwegen decken.

Die Kriterien für die Euro-Aufnahme schaffte Vilnius ohne Probleme. Die Gesamtverschuldung des baltischen Staates liegt 2014 mit gut 41 Prozent der Wirtschaftsleistung weit unter der EU-Grenze von 60 Prozent. Beim Haushaltsdefizit geht Brüssel von 1,2 Prozent aus.Anfang Dezember verabschiedete das Land seinen ersten Haushalt in Euro. Dabei rechnete die Regierung in Vilnius für 2015 mit einem robusten Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent.

Sanktionen tangieren Litauen nicht

Regierungschef Algirdas Butkevicius wies in den Haushaltsverhandlungen Befürchtungen zurück, der von Russland als Reaktion auf die EU-Sanktionen in der Ukraine-Krise verhängte Einfuhrstopp für Lebensmittel könne dem Land wirtschaftlich Probleme bereiten. «Trotz der angespannten geopolitischen Lage wird es keine Krise geben», sagte er im Parlament.

Im Budget 2015 erhöhte Litauen aber auch seine Verteidigungsausgaben um ein Drittel auf 1,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Angesichts der militärischen Muskelspiele Moskaus in der Ostseeregion und der russischen Exklave Kaliningrad direkt vor der Haustür bestellte Litauen beim Nachbarn Polen Flugabwehrsysteme und will bei den USA Raketen vom Typ Javelin kaufen.

(sda/me)

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