Bei einem blutigen Anschlag auf die Satire-Zeitung «Charlie Hebdo» in Paris sind am Mittwoch mindestens zwölf Menschen getötet worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Täter sind auf der Flucht.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem «Terroranschlag». Die Regierung rief für den Grossraum Paris die höchste Terrorwarnstufe aus.

Zwei vermummte Männer hatten mit einer Kalaschnikow und einem Raketenwerfer kurz vor Mittag den Sitz der Satirezeitung angegriffen, die für ihre provokanten Mohammed-Karikaturen bekannt ist. Unter den zwölf Toten sind die bekannten Karikaturisten Charb, Wolinski und Tignous. Charb war der Direktor von «Charlie Hebdo». Auch der Mohammed-Cartoonist Cabu ist unter den Toten. Er wäre in wenigen Tagen 76 Jahre alt geworden.

«Aussergewöhnlich barbarische Tat»

Unter den Toten waren den Angaben zufolge zwei Polizisten, einer von ihnen war nach Angaben der Ermittler zum Schutz des Zeichners Charb abgestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden rund 20 weitere Personen verletzt, vier oder fünf davon lebensgefährlich. Die Attentäter konnten unerkannt flüchten.

Hollande sprach am Anschlagsort im elften Arrondissement im Stadtzentrum von Paris von einer «aussergewöhnlich barbarischen Tat». Nach seinen Angaben wurden in den vergangenen Wochen mehrere versuchte Anschläge in Frankreich verhindert. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga verurteilt das Attentat scharf. Sie drücke Frankreich ihr Beileid aus. Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument befürchtet neue Herausforderungen für die Medien und fragt sich, ob die Schweizer Redaktionen genügend geschützt sind.

Die dänische Zeitung «Jyllands-Posten» verstärkt ihre Sicherheitsvorkehrungen. Das Blatt hatte mit Karikaturen des muslimischen Propheten Mohammed 2005 in vielen Staaten Proteste ausgelöst, bei denen mindestens 50 Menschen ums Leben kamen.

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Terroralarm auf höchster Stufe in Paris

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie zwei vermummte Männer mit Kalaschnikow-Gewehren die Redaktion im Zentrum der französischen Hauptstadt stürmen. Ein Mann schrie «Allahu akbar» («Gott ist gross»), danach sind erste Schüsse zu hören. Auch rief einer der Täter «Wir haben den Propheten gerächt». Nach dem Anschlag gab es Ermittlern zufolge einen Schusswechsel mit den Sicherheitskräften. Bei ihrer Flucht hätten die Angreifer einen Polizisten angeschossen und später einen Fussgänger überfahren.

Für den Nachmittag wurde eine Krisensitzung der Regierung einberufen. Der Anti-Terror-Plan Vigipirate wurde für den Grossraum Paris auf die höchste Stufe «Anschlagsalarm» angehoben, wie es am Sitz von Premierminister Manuel Valls hiess. Für Mediengebäude, grosse Kaufhäuser, Kirchen und den öffentlichen Nahverkehr wurde der Schutz verstärkt.

Islamkritische Satirezeitung

Seine neueste Ausgabe vom Mittwoch widmete die Wochenzeitung dem neuen Roman des französischen Skandal-Autors Michel Houellebecq. Dieser beschreibt in «Soumission» (Unterwerfung) den Sieg der Präsidentschaftswahl 2022 durch einen muslimischen Kandidaten, der in der Folge Frankreich regiert. Houellebecqs Roman erschien in Frankreich ebenfalls am Mittwoch.

«Charlie Hebdo» war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in die Kritik geraten. Bereits im November 2011 waren nach der Veröffentlichung einer «Scharia»-Sonderausgabe mit einem «Chefredaktor Mohammed» die Redaktionsräume in Flammen aufgegangen. Die Website war zudem mehrfach von Hackern angegriffen worden.

«An der Seite des französischen Volkes»

Auch der britische Premier David Cameron verurteilte den Anschlag. «Die Morde in Paris sind ekelerregend», schrieb Cameron auf Twitter. «Wir stehen an der Seite des französischen Volks im Kampf gegen Terror und beim Verteidigen der Pressefreiheit.»

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— Martin Boudot (@MartinBoudot) 7. Januar 2015
— Julien Rebucci (@julienrbcc) 7. Januar 2015


(sda/ise)