Argentinien hat im Rechtstreit eine herbe Schlappe erlitten. Ein US-Gericht befand, dass das lateinamerikanische Land alle Gläubiger gleich behandeln muss. Dies bedeutet, dass Argentinien auch die Anleiheinhaber vollständig auszahlen soll, die den Schuldenschnitt nach der Staatspleite vor über zehn Jahren abgelehnt hatten. Dabei geht es um eine Summe von 1,33 Milliarden Dollar.

Nun muss sich noch der oberste Gerichtshof der USA mit dem Fall beschäftigen - was Monate dauern könnte. Sollte die Behörde das Urteil bestätigen, würde Argentinien wegen milliardenhoher Forderungen einer erneuten Staatspleite näherrücken.

Streit dauert seit über einer Dekade

Seit mehr als einem Jahrzehnt streiten Argentinien und Investoren, die Anleihen des Landes erworben hatten, vor Gerichten über die Folgen der Staatspleite von 2001/2002. Es geht dabei um ein Finanzdesaster in der Größenordnung von 100 Milliarden Dollar. Eine Minderheit von Investoren hatte sich den beiden Schulden-Schnitten der Jahre 2005 und 2010 verweigert. Damals hatten 93 Prozent der Bond-Gläubiger akzeptiert, nur noch 25 Prozent des Nennwertes ihres Engagements zurückzuerhalten.

Der Rechstreit wird in den USA ausgefochten, weil die Staatsanleihen damals in Dollar unter amerikanischem Recht begeben worden waren. Die Investoren unter Führung der Hedgefonds NML Capital und Aurelius Capital Management liegen nicht nur mit der Regierung über Kreuz. Sie streiten auch mit den anderen Anlegern, die zwei Schuldenschnitten in den Jahren 2005 und 2010 zugestimmt hatten. Diese fürchten, dass im Falle eines neuerlichen Zahlungsausfalls am Ende auch ihre drastisch reduzierten Forderungen nicht erfüllt werden.

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Urteil könnte weitreichende Konsequenzen haben

Die von Präsidentin Christina Fernandez als «Aasgeier» beschimpften Hedgefonds bestehen auf einer Komplettauszahlung. Die Mitte-Links-Regierung des lateinamerikanischen Landes will darauf aber keinesfalls eingehen. Ihrer Darstellung zufolge könnte das Urteil dazu führen, dass Schuldenschnitte in Krisenländern künftig unmöglich werden, weil Gläubiger sich darauf nicht mehr einlassen.

(reuters/moh/jev)