Die Verhandlungen im Schuldenstreit zwischen Argentinien und Hedgefonds sind gescheitert. Das südamerikanische Land steuert damit nach mehr als zwölf Jahren erneut auf eine Staatspleite zu. Der argentinische Wirtschaftsminister Axel Kiciloff konnte am Mittwoch trotz stundenlanger Gespräche in New York keine Einigung mit den US-Fonds in letzter Minute erzielen. Auch ein Plan von privaten Banken zur Abwehr einer Staatspleite Argentiniens missglückte.

Das Hilfsangebot eines Konsortium aus Finanzhäusern kam dann doch nicht zustande, wie ein hochrangiger Bankvertreter sagte. Die Geldhäuser hatten sich einem Insider zunächst bereiterklärt, die Schulden des südamerikanischen Landes bei den klagenden Hedgefonds übernehmen.

«Folgen werden nicht positiv sein»

Mit dem Schritt sollte eine Zahlungsunfähigkeit verhindert werden, die mit Ablauf der Frist im Schlichtungsverfahren um Mitternacht (Donnerstag, 06.00 MESZ) droht. «Die Folgen der Insolvenz sind nicht vorhersehbar, aber sie werden nicht positiv sein», sagte der vom Gericht bestellte Schlichter Daniel Pollack. Der Zahlungsausfall sei nicht nur eine rein technische Angelegenheit, sondern ein schmerzhafter Prozess. Die Bürger seien die Opfer der Pleite.

Die Regierung in Buenos Aires weigerte sich bislang, den Hedgefonds die von einem New Yorker Gericht zugesprochenen 1,33 Milliarden Dollar plus Zinsen auszuzahlen. Die von Argentinien als «Geierfonds» geschmähten Finanzhäuser hatten die Anleihen mit einem kräftigen Preisnachlass erworben, einen Schuldenschnitt verweigert und dann auf volle Auszahlung geklagt.

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Land ist bereits weitgehend von den Märkten abgeschnitten

Mit der Mehrzahl der Gläubiger hatte sich Argentinien dagegen arrangiert und damit die Krise zwischenzeitlich entschärft. Bereits 2002 rutschte das Land in Folge einer Wirtschaftskrise in die Pleite. Anders als damals, als in Argentinien Unruhen ausbrachen, dürfte es diesmal allerdings nicht zu Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten kommen.

Das Land ist bereits weitgehend von den Kapitalmärkten abgeschnitten und spielt an den Anleihenmärkten keine grosse Rolle. Auch innenpolitisch ist Argentinien nicht mehr so instabil wie zu Beginn des Jahrhunderts, auch wenn die galoppierende Inflation bei einer erneuten Staatspleite weiter anziehen und die Landeswährung Peso an Wert verlieren dürfte.

S&P wertet Argentinien nun als «partieller Zahlungsausfall» 

Die Regierung spielt nach Ansicht von Beobachtern auf Zeit und will das Verfahren hinauszögern. Sollte es ausgesetzt werden, könnte Argentinien die Gespräche nächstes Jahr fortsetzen. Dann können sich Gläubiger, die den Schuldenschnitt akzeptiert haben, nicht mehr auf eine Klausel zur Besserstellung berufen. Die Regelung läuft Ende Dezember aus. Da sich mehr als 90 Prozent der Gläubiger auf den Schuldenschnitt eingelassen haben, muss Argentinien bei einer Auszahlung der Hedgefonds ohne Abschlag eine Prozesslawine fürchten.

Noch während der Verhandlungen senkte die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsnote des südamerikanischen Landes. Die Anleihen des schuldengeplagten Staats würden nun als «partieller Zahlungsausfall» gewertet nach zuvor CCC-, erklärten die US-Bonitätswächter. Darunter versteht man, dass ein Schuldner eine Anleihe, Kreditrate oder andere Verbindlichkeiten nicht fristgerecht zurückzahlt, aber andere Verpflichtungen weiter erfüllt. Der Ausblick sei negativ.

(reuters/moh)