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Umfrage
Armee ist beliebt wie seit 20 Jahren nicht

Vorbereitung auf KFOR-Einsatz im Kosovo: Schweizer Armee hat ein gutes Image.   Keystone

Das Ansehen der Armee erreicht den höchsten Stand seit 20 Jahren. Und das, obwohl wenige ihr eine Verteidigung des Landes ohne internationalen Beistand zutrauen. Angst haben die Schweizer vor anderem.

Veröffentlicht am 30.05.2014

Die Schweizer Bevölkerung hat eine positive Einstellung zur Armee – deutlich positiver als in früheren Jahren. Eine militärische Bedrohung halten die meisten jedoch für unwahrscheinlich. Zu diesem Schluss kommt die am Freitag veröffentlichte Studie «Sicherheit 2014» der ETH Zürich.
Das Nein zum Gripen war offenbar kein Nein zur Armee: 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer erachten die Armee als notwendig. Das sind 8 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Lediglich 19 Prozent stellen aktuell die Legitimation der Armee in Frage.

Auch mit den Verteidigungsausgaben ist die Schweizer Bevölkerung im Jahr 2014 zufrieden. 49 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Höhe der Ausgaben angemessen sei. Dies sind 5 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie. Für 37 Prozent sind die Verteidigungsausgaben zu hoch, 9 Prozent fordern ein höheres Budget.

Grösste Angst sind Cyber-Attacken

Die hohe Zustimmung zur Armee scheint nicht in Angst zu gründen: 90 Prozent gaben an, sich sicher zu fühlen. Das Sicherheitsempfinden sei über die Jahre relativ stabil und gegenüber Einzelereignissen robust, heisst es in der Studie. Entsprechend werden Bedrohungen als wenig wahrscheinlich eingeschätzt.

Am stärksten fürchten sich Schweizerinnen und Schweizer vor Cyber-Angriffen. Die Datensicherheit wird als gefährdet wahrgenommen. Die Studienautoren vermuten, dass die Medienberichte über den US-Geheimdienst NSA die Wahrnehmung beeinflusst hat.

Hinter den Cyber-Angriffen folgen auf der Bedrohungsskala Verbrechen, organisierte Kriminalität und Migration. Bei der Migration könnte laut den Studienautoren die Diskussion über die Masseneinwanderungsinitiative das Resultat beeinflusst haben. Mit Abstand am geringsten schätzen die Befragten die Wahrscheinlichkeit einer Bedrohung der Bevölkerung durch einen militärischen Angriff ein. Lediglich 3 Prozent erachten einen solchen als wahrscheinlich.

Dennoch glaubt die Mehrheit nicht, dass die Verteidigung im Kriegsfall als Armee-Aufgabe in naher Zukunft an Bedeutung verliert. Allerdings glauben viele, dass andere Aufgaben an Bedeutung gewinnen werden. Dazu gehören die Katastrophenhilfe im Inland, die Unterstützung der zivilen Grenzwache bei Flüchtlingsströmen, die Abwehr von Cyber-Attacken und die Verhinderung von Terroranschlägen.

Beinahe zwei Drittel der Befragten zweifeln an der Fähigkeit der Schweizer Armee, das Land alleine verteidigen zu können. In der Frage, ob sie überhaupt dazu fähig sein sollte, ist die Bevölkerung gespalten. Die militärische Autonomie wird aber stärker gefordert als in früheren Jahren: 52 Prozent sind der Meinung, dass sich die Schweiz nur auf ihre eigene Landesverteidigung verlassen sollte.

Zur EU rein wirtschaftliche Nähe

Auch die wirtschaftliche und politische Autonomie ist der Schweizer Bevölkerung wichtig: Vier von fünf Befragten sind der Ansicht, dass die Schweiz wirtschaftlich und politisch möglichst unabhängig von anderen Staaten bleiben sollte.

Einen Beitritt zur EU befürworten wie im Vorjahr lediglich 17 Prozent. 34 Prozent wünschen sich eine politische Annäherung an die EU, 2 Prozent weniger als im Vorjahr. Breit akzeptiert wird dagegen eine wirtschaftliche Annäherung: 81 Prozent möchten, dass die Schweiz die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der EU verstärkt. Einen Höchstwert erreichte die Neutralität: 96 Prozent stehen hinter diesem Prinzip. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es gar 99 Prozent.

Die jährlich erscheinenden Sicherheitsstudien erstellt die Militärakademie an der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit dem Center for Security Studies der ETH. Die Studien stützen sich auf repräsentative Befragungen der Stimmbevölkerung. Die Datenerhebung fand im Januar bei 1200 Stimmberechtigten in allen drei Sprachregionen durch das Meinungsforschungsinstitut Isopublic statt. Der Stichprobenfehler liegt bei +/-3 Prozent.

(sda/me)

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