Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt betreibt die EU-Kommission ein Gesetzgebungsverfahren, das die Standards bei der Arzneimittelforschung an Menschen aufweicht - das berichtet die «Süddeutsche Zeitung». So wolle die EU die Medizinindustrie zu fördern.

Die derzeit noch geltende EU-Richtlinie soll demnach von einer EU-Verordnung abgelöst werden, die unter anderem vorsieht, dass die unabhängigen Ethikkommissionen bei klinischen Tests künftig nicht mehr beteiligt werden. 

Wie die Zeitung weiter schreibt, soll die Verordnung bereits im Juni in erster Lesung im Europäischen Parlament behandelt werden. Medizinethiker befürchteten nun, dass mit dem neuen europäischen Recht die Schutzmechanismen bei Versuchen an Menschen niedriger sein werden als bei Tierversuchen.

In Deutschland regt sich parteiübergreifend Widerstand gegen diese neue Regelung. Die Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen im Deutschen Bundestag wollen eine Änderung der geplanten Verordnung erreichen.

Wie die «Süddeutsche» weiter berichtet, begründet die EU-Kommission die Lockerung des bisher hohen Schutzniveaus damit, dass dieses die Forschung behindert habe, weil in der EU zwischen 2007 und 2011 die Zahl der klinischen Prüfungen um 25 Prozent zurückgegangen sei.

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(tke/tno)