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Asylsuchende für Schweizer Bauernhöfe

Bauernhof: Hilfskräfte sind gefragt.   Keystone

Beim Bundesamt für Migration gibt es Überlegungen, Asylbewerber in der Landwirtschaft einzusetzen. Der Schweizerische Bauernverband zeigt sich gesprächsbereit – warnt aber gleichzeitig.

Veröffentlicht am 08.08.2014

Statt Polen und Portugiesen sollen mehr Asylsuchende oder vorläufig Aufgenommene auf Schweizer Bauernhöfen arbeiten. Entsprechende Überlegungen werden derzeit im Bundesamt für Migration (BFM) angestellt. Ein Pilotprojekt könnte schon nächstes Jahr starten.

Am kommenden Mittwoch treffen sich Vertreter des BFM und der Landwirtschaft zu einer ersten Aussprache. Dies sagte Nationalrat Jacques Bourgeois (FDP/FR), Direktor des Schweizerischen Bauernverbands (SBV), der Nachrichtenagentur sda am Freitag. Daran teilnehmen werden Bourgeois selber, BFM-Direktor Mario Gattiker sowie Experten beider Seiten.

Zunächst müsse geklärt werden, ob und unter welchen Bedingungen der Einsatz von Asylbewerbern oder vorläufig Aufgenommenen überhaupt möglich sei, sagte Bourgeois. Falls die Gespräche positiv verliefen, gehe es darum, einen Betrieb für ein Pilotprojekt zu finden. Ein solches würde laut dem SBV-Direktor im Gemüsebau stattfinden und könnte bereits nächstes Jahr starten.

Kontingente als Chance

Entstanden war die Idee in der Expertengruppe zur Umsetzung der SVP-Zuwanderungs-Initiative. Der Bund versucht aber nicht erst seit dem 9. Februar, das inländische Fachkräfte-Potenzial besser zu nutzen; Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat seine Fachkräfte-Initiative schon 2011 lanciert.

Quasi im Windschatten der Initiative hofft der Bundesrat nun aber, einen Schritt nach vorne zu tun: Die «Förderung des inländischen Potenzials» ist ein wichtiges Element des Ende Juni vorgelegten Umsetzungskonzepts.

«Ziel ist es, die Arbeitskräftenachfrage vermehrt durch Personen aus der Schweiz abzudecken», heisst es dort. Im Fokus hat der Bundesrat dabei Fachkräfte, etwa ältere Menschen oder gut ausgebildete Frauen, die aus familiären Gründen nur Teilzeit oder gar nicht arbeiten. Der Schweizer Pass ist aber keine Voraussetzung: Auch Ausländerinnen und Ausländer, die bereits in der Schweiz leben, sollen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen.

Das Potenzial ist beträchtlich: Im Umsetzungskonzept ist die Rede von über 14'000 erwerbsfähigen Personen aus dem Asylbereich, die nicht erwerbstätig sind. In der Landwirtschaft könnten diese einen Teil der rund 25'000 bis 30'000 Arbeitskräfte ersetzen, die heute vor allem in Süd- und Osteuropa rekrutiert werden.

Der Bundesrat will die konkreten Massnahmen zur Umsetzung der Zuwanderungs-Initiative gegen Ende Jahr präsentieren. Das BFM lässt sich daher noch nicht gern in die Karten blicken. Eine Stellungnahme steht derzeit noch aus.

Harte Arbeit

Der SBV hatte die Zuwanderungs-Initiaive bekämpft, weil er einen Arbeitskräftemangel befürchtete. Präsident Markus Ritter (CVP/SG) zeigte sich gegenüber der sda offen für die Idee, im Rahmen der Umsetzung auf Asylsuchende zurückzugreifen. Gleichzeitig wies er aber auf die damit verbundenen Schwierigkeiten hin.

Bedingung für den Einsatz in der Landwirtschaft sei, dass eine Person arbeitsfähig und arbeitswillig sein. Die körperliche Belastung in der Landwirtschaft sei hoch. «Dafür braucht es die nötige Konstitution, und jemand muss das auch mitmachen wollen», sagte Ritter. Zudem müsse ein Minimum an Kommunikation möglich sein.

Fraglich ist auch, ob die Bauern die gut eingespielte Zusammenarbeit mit ihren Saisonarbeitern aufgeben wollen. Kontinuität sei wichtig, sagte SBV-Direktor Bourgeois. Viele Betriebe engagierten seit Jahren die gleichen Arbeiter, diese seien darum auch gut mit den Aufgaben vertraut.

Ganz neu sind die nun diskutierten Ideen aber nicht. Schon vor über zehn Jahren bot beispielsweise der Kanton Wallis Beschäftigungsprogramme für Asylsuchende an. Aufgrund der guten Erfahrungen läuft das Programm noch heute, aktuell nehmen 450 Personen daran teil, wie eine Anfrage ergab. 340 Asylbewerber haben eine bezahlte Stelle.

(sda/vst)

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