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Politik

Athens nominierter Finanzminister ist Euro-Verfechter

Giannis Stournaras will in der Eurozone bleiben. (Bild: Keystone)

Auf keinen Fall zurück zur Drachme - das ist die Devise von Giannis Stournaras, der schon bald Griechenlands Finanzminister werden soll.

Veröffentlicht am 26.06.2012

Giannis Stournaras gilt als vehementer Verfechter eines Verbleibs Griechenlands in der Eurozone. Voraussichtlich kann sich der 55-Jährige dafür schon bald an vorderster Front einsetzen.

Der Ex-Banker soll neuer Finanzminister des krisengeschüttelten Landes werden. Bereits vor seiner Ernennung sprach er sich für eine «teilweise Neuverhandlung» der mit den internationalen Geldgebern ausgehandelten Bedingungen für die Hilfen in Milliardenhöhe aus, die Athen vor dem Staatsbankrott retten sollen.

Schon bei den Verhandlungen über einen Beitritt Griechenlands in die Eurozone spielte Stournaras eine Rolle. Von 1994 bis 2000 war der Oxford-Absolvent Vorsitzender des Wirtschaftsberatergremiums im Finanzministerium, wo der 2001 vollzogene Beitritt vorbereitet wurde. Für diesen Beitritt zur Eurozone hatte Athen in Brüssel gefälschte Zahlen präsentiert.

In den Jahren 2000 bis 2004 leitete Stournaras die Emporiki-Bank, bevor diese vom französischen Institut Crédit Agricole übernommen wurde. Während dieser Zeit war er auch Vizepräsident der Union griechischer Banken.

Heute ist der Experte für Makroökonomie und europäische Fragen Wirtschaftsprofessor an der Universität von Athen und Chef des Forschungsinstituts der griechischen Arbeitgeber.

Nicht zurück zur Drachme

Einen Ausstieg aus dem Euro und eine Rückkehr seines Landes zur Drachme will Stournaras mit allen Mitteln verhindern. Dies würde Banken und Unternehmen zu sehr in Bedrängnis bringen, argumentiert er.

Das grösste Problem der griechischen Wirtschaft ist seiner Ansicht nach das Liquiditätsproblem der Unternehmen. Durch eine teilweise Neuverhandlung der internationalen Bedingungen will er mehr Geld für Wachstumsanreize freisetzen.

Der 55-Jährige steht der konservativen Nea Dimokratia (ND) von Regierungschef Antonis Samaras nahe. Dieser nominierte ihn am Dienstag zum neuen Finanzminister - allerdings war Stournaras nur zweite Wahl: Der in der vergangenen Woche benannte Finanzminister Vassilis Rapanos zog sich am Montag aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Wie krank ist Rapanos?

Die griechischen Zeitungen halten die Gesundheitsgründe des 65-Jährigen allerdings für vorgeschoben. Tatsächlich habe Rapanos aufgrund von Unstimmigkeiten mit Samaras das Amt nicht übernehmen wollen, heisst es in den Berichten.

So habe Rapanos die Besetzung anderer Ministerposten mit ND-Vertretern kritisiert und stattdessen Experten verlangt. Zudem sei seine Stellvertreterwahl nicht genehmigt worden.

Und nicht zuletzt sei Rapanos über die von der Regierung angestrebte radikale Neuverhandlung der Sparauflagen «alarmiert» gewesen. Doch damit muss sich Rapanos nicht mehr herumschlagen - dies übernimmt nun Stournaras.

(laf/vst/sda)

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