Bei der Bevölkerung in den beiden möglichen Standortregionen Jura Ost und Zürich Nordost für ein Endlager für radioaktive Abfälle überwiegt Ablehnung und Skepsis: Rund ein Drittel hat sich bei einer Befragung ausdrücklich gegen ein geologisches Tiefenlager in ihrer Region ausgesprochen. Ein weiteres knappes Drittel würde es zwar akzeptieren, hätte dabei aber ein ungutes Gefühl, wie es in einer Mitteilung der Ausschuss der Kantone (AdK) vom Donnerstag heisst.

Gespalten zeigt sich die Bevölkerung beim Prozess zur Auswahl eines Standorts: Etwa die Hälfte der Befragten vertraut auf Objektivität und Fairness des Verfahrens, die andere Hälfte hat ausdrücklich Zweifel daran. Rund 40 Prozent der Befragten kennen die Partizipationsmöglichkeiten wie etwa die Regionalkonferenzen.

Kein Gehör für die Gegenpartei

Weiter hat die Befragung ergeben, dass sich Gegner und Befürworter einander nicht zuhören. Argumente für oder gegen ein Tiefenlager werden von grossen Teilen der Gegner oder Befürworter nur als solche angenommen, wenn sie der eigenen Position entsprechen.

Das Image der eigenen Region ist aus Sicht der jeweiligen Bevölkerung ausgesprochen positiv. Das mögliche Tiefenlager wird kaum oder nur vereinzelt mit der eigenen Region verbunden. Gemäss Mitteilung haben die Bevölkerungsbefragungen in den Standortregionen Jura Ost und Zürich Nordost inhaltlich insgesamt «bemerkenswert ähnliche Resultate» ergeben.

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Gesellschaftsstudie 2012 in Auftrag

Der AdK hat die Gesellschaftsstudie 2012 in Auftrag gegeben, um die sogenannte sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudie (SÖW) zu ergänzen. In der SÖW wurden die Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt untersucht. Das Image einer Region sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt sei bisher aber ausgeklammert worden.

Ende 2015 bis Anfang 2016 ist die erste Befragung in den beiden Regionen Jura Ost und Zürich Nordost mit einer Stichprobe von je über tausend Befragten durchgeführt worden. Eine zweite Befragung und der Abschluss der Studie sind ungefähr für 2018 geplant.

Sicherheit steht an erster Stelle

Der AdK ist das politische Leitgremium des Sachplanverfahrens. Im Sachplanverfahren Geologische Tiefenlager steht die Sicherheit an erster Stelle. Für die Kantone sei klar, dass ein künftiges geologisches Tiefenlager dereinst am sichersten Standort gebaut werden müsse.

Mit der nun durchgeführten Gesellschaftsstudie soll denn auch keine Rangierung für die weitere Einengung des möglichen Standorts erstellt werden. Die Studie soll neben anderen Grundlagen Nachteile in den betroffenen Regionen erkennen und eine Basis für die Entwicklung geeigneter Gegenmassnahmen schaffen. Nach derzeitigem Projektstand verbleiben die beiden Regionen Jura Ost und Zürich Nordost im Sachplanverfahren. Der weitere Umgang mit der Region Nördlich Lägern steht noch nicht abschliessend fest.

(sda/ise)