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Aufsicht: Libor-Zins bleibt trotz Manipulationsskandal

Der englische Finanzmarktaufsichts-Chef Martin Wheatley bleibt beim Libor. (Bild: Keystone)

Der internationale Referenz-Zinssatz Libor wird trotz des Manipulationsskandals vorerst nicht abgeschafft.

Veröffentlicht am 28.09.2012

Der internationale Referenz-Zinssatz Libor wird trotz des Manipulationsskandals vorerst nicht abgeschafft. Die zuständige britische Finanzaufsicht FSA stellte am Freitag ihre mit Spannung erwarteten Reformvorschläge vor.

«Das System ist beschädigt und muss komplett überarbeitet werden», sagte FSA-Chef Martin Wheatley. Allerdings sei der Libor so stark als zentraler Zinssatz im Finanzsystem verankert, dass eine Abschaffung derzeit nicht möglich sei. Es gebe aktuell auch keine besseren Alternativen.

Langfristig sollte man darüber jedoch nachdenken, betonte der Chef-Aufseher, der von der Regierung beauftragt worden ist, die Reformvorschläge zu erarbeiten. Der für Finanzdienstleistungen zuständige Minister Greg Clark, nannte die Vorschläge ausgewogen und realistisch. Die Änderungen sollten nun rasch umgesetzt werden.

Weltweit stehen mehr als ein Dutzend Grossbanken unter Verdacht, den Libor von 2005 bis 2009 manipuliert zu haben. Untersuchungen laufen auch gegen die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

Zehn-Punkte-Plan

Der Zins wird einmal täglich in London ermittelt und beruht auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Bislang hat lediglich die britische Barclays ein Fehlverhalten ihrer Händler eingeräumt. Die Aufseher müssen nun an den Märkten das Vertrauen in den Zinssatz wiederherstellen. Dieser gilt als Richtschnur für Finanztransaktionen im Volumen von mehr als 300 Billionen Dollar.

Wheatleys Zehn-Punkte-Plan setzt vor allem an der Ermittlung des Zinses an. Er soll künftig nicht mehr auf den geschätzten Refinanzierungskosten der Banken beruhen, sondern auf tatsächlichen Transaktionen.

Nach den Vorschlägen der FSA brauchen die Händler, die die täglichen Libor-Meldungen abgeben, künftig eine spezielle Genehmigung der Aufsicht. Darüber hinaus sollen mehr Banken an der Ermittlung des Zinses beteiligt werden, damit ein einzelnes Haus den Satz nicht mehr so stark verzerren kann.

Geprüft werden soll auch die Einführung strafrechtlicher Konsequenzen für Libor-Manipulationen. Zudem sollen die Transaktionen künftig regelmässig von externen Prüfern unter die Lupe genommen werden.

Weniger Zinssätze, andere Aufsicht

Derzeit gibt es insgesamt 150 verschiedene Libor-Zinssätze - für unterschiedliche Währungen und Laufzeiten. Wheatley will die Zahl auf 20 reduzieren, da die seltener genutzten Sätze leichter zu manipulieren sind.

Der britische Bankenverband BBA, der bislang die Libor-Ermittlung beaufsichtigt hatte, wird künftig nicht mehr zuständig sein. Stattdessen werde ein neues Gremium die Aufgabe übernehmen, betonte der Aufseher. Details sind noch offen.

«Die BBA ist ganz klar damit gescheitert, die Libor-Ermittlung angemessen zu beaufsichtigen», sagte Wheatley. Der Bankenverband hat zusammen mit ihm an der Reform gearbeitet und eingeräumt, dass der Prozess stärker kontrolliert werden muss.

(chb/sda)

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