Kaum ein anderes Land geniesst bei Unternehmern rund um den Globus einen besseren Ruf als die Schweiz. Das Umfeld gilt als wirtschaftsfreundlich, Firmenlenker und Mitarbeitende als pragmatisch. In Kombination mit niedrigen Steuern und dem liberalen Arbeitsmarkt führten die günstigen Bedingungen dazu, dass sich viele Unternehmen in den vergangenen Jahren hierzulande niederliessen.

Doch 2014 könnte für die Schweiz das Jahr werden, in dem die Stimmung drehte. Zu Jahresbeginn votierten die Stimmbürger bereits für die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative. Unternehmer zeigten sich schockiert. Logistikgrösse Michael Kühne und ABB-Chef Ulrich Spiesshofer waren nur zwei einflussreiche Manager, die öffentlich die Schweiz als Wirtschaftsstandort infrage stellten. «Die Schweiz als liberales Wirtschaftssystem muss verlässlich und berechenbar sein», sagte Spiesshofer der «Bilanz». «Alles, was dies einschränkt, sehe ich mit grösster Sorge.»

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Schweiz ist gegen Populismus nicht gefeit

Ähnlich wie Spiesshofer äusserten sich in den vergangenen Wochen immer mehr einflussreiche Medien – vor allem in Hinblick auf die am Wochenende anstehenden Abstimmungen. Sowohl das «Wall Street Journal» als auch das kräftig wachsende Newsportal «Business Insider» äusserten sich zur Gold-Initiative und liessen kein gutes Haar an der Vorlage. Der Tenor: Die Schweizer Initiative würde Gold zum Magneten für Spekulanten machen.

Erstmals hat sich nun auch die einflussreiche «Financial Times» in einem ausführlichen Bericht den anstehenden Abstimmungen angenommen. Und das britische Blatt lässt keinen Zweifel daran, dass es immer weniger an das Schweizer Erfolgsmodell der vergangenen Jahre glaubt. Mitverantwortlich für den Stimmungswechsel ist, dass am kommenden Sonntag mit Ecopop, Gold und Pauschalbesteuerung gleich drei Initiativen auf der Agenda stehen, die Wirtschaftslenkern in der Schweiz die Schweissperlen auf die Stirn treiben.

Populistischer Druck wie im Rest Europas

Auch wenn alle Initiativen abgelehnt würden, hätten sie bereits so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, dass sich laut «FT» konstatieren liesse: Selbst die prosperierende Schweiz ist nicht gegen den populistischen Druck gefeit, der bereits den Rest Europas ergriffen habe. Diese Zeilen sollten die Schweiz aufhorchen lassen. Denn einflussreiche Wirtschaftsmacher rund um den Erdball lesen das tägliche Finanzblatt. Die «FT» macht dabei Ecopop als umstrittenste der drei Initiativen vom 30. November aus. Doch auch Gold-Initiative und die Abstimmung zur Pauschalbesteuerung seien für die Schweizer Wirtschaft gefährlich.

Das öffentliche Vertrauen in die Wirtschaft sei zurückgegangen, skizziert Stéphane Garelli das Gefühlsleben der Schweizer in dem Artikel. Es gebe keinen Zweifel daran, dass ein Manager in der Schweiz vor zehn Jahren noch ein hohes Ansehen genossen habe. Dies sei nun jedoch anders, so der Professor der Lausanner Wirtschaftshochschule IMD. Es scheint, als ob wirtschaftliche Argumente in der Bevölkerung heute weniger Anklang fänden als noch vor einer Dekade, wird der St. Galler Professor Patrick Emmenegger zitiert.

Viel Überzeugungsarbeit derzeit notwendig

Nichtsdestotrotz ist die Schweiz laut Garelli noch immer ein guter Ort für die Wirtschaft. Allerdings sei es die Arbeit für diejenigen, die Firmen überzeugen müssten in der Schweiz zu investieren, derzeit sehr hart. Sollten Ecopop und Gold-Initative  am Wochenende wider Erwarten angenommen werden, dürfte dieser Job in Zukunft noch schwerer werden.