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Onlinehandel
Ausländische Versandhändler müssen bald Mehrwertsteuer zahlen

Paketeflut bei Alibaba
Pakete von Alibaba: Online-Shopping auf ausländischen Webseiten wird teurer. Quelle: Getty Images

Wälzen ausländische Versandhändler die Mehrwertsteuer auf die Kunden ab, werden Produkte teurer.

Veröffentlicht am 20.02.2018

Online-Shopping auf ausländischen Webseiten dürfte ab nächstem Jahr teurer werden. Mit der neuen Versandhandelsregelung werden ausländische Versandhändler bei Lieferungen in die Schweiz Mehrwertsteuer bezahlen müssen, wenn sie einen bestimmten Umsatz erreichen.

Denn auf Kleinsendungen mit einem Steuerbetrag von weniger als 5 Franken müssen ausländische Online-Händler bis heute keine Mehrwertsteuer zahlen. Für einen inländischen Versandhändler gelten andere Regeln: Seine Sendungen unterliegen der Mehrwertsteuer, wenn er im MWST-Register eingetragen ist.

Mit dieser Ungleichbehandlung soll ab dem 1. Januar 2019 Schluss sein. Erzielt dann ein Versandhändler pro Jahr mindestens 100'000 Franken Umsatz mit Kleinsendungen, die er vom Ausland in die Schweiz befördert, gelten seine Lieferungen als Inlandlieferungen. Er muss sich im MWST-Register eintragen und wird steuerpflichtig.

Teurere Ausland-Bestellung

Online-Shopping auf ausländischen Webseiten ist beliebt. Allein 2017 haben Schweizer 23 Prozent mehr aus dem Ausland bestellt als noch 2016, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Verbands Schweizerischen Versandhandels (VSV), des Marktforschungsunternehmens GfK und der Schweizerischen Post zeigt.

Für einen Krimi oder Schuhe aus dem Ausland dürfte man aber bald tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. Dies, sofern die ausländischen Unternehmen die Mehrwertsteuer auf die Konsumentenpreise überwälzen. «Falls es eine Überwälzung gibt, wird diese höher ausfallen als die neu zu entrichtende Mehrwertsteuer», befürchtet Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

«Meine Erfahrung zeigt, dass 'begründete' Erhöhungen, wie etwa eine Verknappung eines Rohstoffes, gerne grosszügig und umgehend umgesetzt werden», sagt Stalder.

Der Preisunterschied für ausländische und inländische Konsumenten dürften laut Stalder höher werden, vor allem bei Webshops mit sogenanntem Geoblocking. Dort würden Schweizer Kunden auf ausländischen Websites automatisch den Schweizer Online-Shop mit höheren Preisen umgeleitet.

«Diese zocken schon jetzt mit einem ungerechtfertigten 'Zuschlag Schweiz' ab und scheuen sich sicher nicht davor, diesen weiter und grundlos auszubauen», erklärt die Konsumentenschützerin. Die Versandhandelsregelung biete ihnen eine neue Gelegenheit für eine Preiserhöhung.

Gleich lange Spiesse

Der Bundesrat schätzt die Zusatzeinnahmen aufgrund der neuen Versandhandelsregelung auf 20 Millionen Franken pro Jahr. Die Regelung gehört zur Teilrevision des Mehrwertsteuergesetzes und hat zum Ziel, gleich lange Spiesse für ausländische und Unternehmen mit Sitz in der Schweiz zu schaffen.

Höchste Zeit, findet Patrick Kessler, Präsident des Verbands Schweizer Versandhändler (VSV): «Damit fällt der Wettbewerbsvorteil von ausländischen Versandhändlern weg, die Freigrenzenregelung der Mehrwertsteuer unverhältnismässig auszunutzen», sagt Kessler.

Dennoch bringe die neue Regelung für Schweizer Unternehmen lediglich eine kleine Verbesserung. «Ausländische Versandhändler haben trotzdem noch grosse strategische Vorteile. Zum Beispiel tiefere Arbeits- und Lagerkosten, welche sich auch auf die Preise auswirken», erklärt Kessler.

Höhere Preise umgehen

Profitieren von der Ungleichbehandlung würden heute vor allem grosse Versandhändler, wie etwa Amazon, sagt Kessler. Dass diese ihre Preise für die Schweizer anpassen werden, glaubt Konsumentenschützerin Sara Stalder nicht. Oft handle es sich um kleine Preisänderungen, welche sich für die grossen Händler nicht lohnen. «Zudem erstellen diese ihre Preismodelle für viele Länder zusammen. Wegen dieser neuen Regelung werden sie ihr Preismodell für die Schweiz nicht extra anpassen», erklärt Stalder.

Grosse Nachteile für Schweizer Konsumenten ab dem nächsten Jahr sieht sie nicht. Auch nicht bei Seiten mit Geoblocking: «Es ist klar, dass Schweizer Kunden solche Websites mit Zusatzaufwand umgehen können.» Sie könnten beispielsweise ins Ausland fahren, direkt dort einkaufen oder sich ihre Waren an eine der diversen Abholstationen an den Grenzen liefern lassen.

(sda/tdr)

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