Der baden-württembergische Energieminister Franz Untersteller bietet der Schweiz Vermittlung in Brüssel an, damit die Energiegespräche mit der EU weiterlaufen können. Dies sagte er am Mittwoch nach einem Treffen mit Behörden und Unternehmen in Basel.

Baden-Württemberg sei «gerne bereit, in Brüssel für die Fortsetzung der Energiegespräche zu werben», sagte Untersteller vor den Medien. Er habe zwar als Landesminister ein Schweizer Abstimmungsergebnis nicht zu kommentieren, aber habe sich persönlich schon gewundert, weil doch Kooperationen in Zukunft immer wichtiger würden.

«Separatismus hat in der Energiewirtschaft keinen Platz», stellte Untersteller klar. Deutschland sei auf eine enge Zusammenarbeit mit der Schweiz angewiesen. Die Schweiz und Baden-Württemberg sowie Deutschland stünden ja vor ähnlichen Herausforderungen mit dem Atomausstieg und dem Forcieren von erneuerbaren Energien. Man müsse daher die Kooperationen weiterführen und intensivieren.

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Das Treffen in Basel mit Behördenvertretern und Vertretern der Strom- und Gasbranche von Basel bis zum Bodensee habe gegenseitig gute Anregungen gebracht. Kernfragen sind für Untersteller Netze und Speicher - beispielsweise wenn die Schweiz dereinst deutschen Offshore-Strom beziehen soll.

Ausbau nur mit neuen Preismodellen

Auch für Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie, ist ein Alleingang nicht denkbar: Bei künftigen Kapazitätsmärkten (Ausbau-Absprachen) und dem Marktdesign (Preismodelle) werde die Schweiz "kaum je eine eigene Lösung haben". Da müsse man sich längerfristig europaweit finden.

Neue Kraftwerke und Speicher brauchen laut Untersteller dringend neue Preismodelle, weil mit den immer wichtigeren aber unregelmässig anfallenden erneuerbaren Energien die bisherigen Modelle - etwa der Pumpspeicherwerke - nicht mehr aufgingen. Gefordert, Kooperationen zu finden, seien nun auch die Netzbetreiber, ergänzte Steinmann.

Auch Untersteller plädierte für einen multinationalen Kapazitätsmarkt-Ansatz. Die EU werde wohl ihre am Montag verkündete Blockade nicht auf Dauer aufrechterhalten, weil alle Seiten an einer gemeinsamen Lösung interessiert seien. Allerdings liege Rosinenpicken nicht drin - «vielleicht werden da manche erst jetzt wach».

(sda/tke)