Pierre Condamin-Gerbier, früheres Kadermitglied der Genfer Bank Reyl & Cie, ist von der Schweizer Justiz am 5. Juli verhaftet worden. Er befindet sich zurzeit in Untersuchungshaft. Der Banker ist ein wichtiger Zeuge im Fall Cahuzac.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur sda einen entsprechenden Bericht der Westschweizer Zeitungen «24 Heures», «Tribune de Genève» und «Le Matin».

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Die Bundesanwaltschaft erklärte auf Anfrage, eine Strafuntersuchung gegen Condamin-Gerbier eingeleitet zu haben, unter anderem wegen wirtschaftlichen Nachrichtendienstes (Art. 273 Strafgesetzbuch). Zum weiteren Verfahren oder welche Strafe dem Banker droht, äusserte sich die Bundesanwaltschaft nicht.

Strafklage im Juni

Die Genfer Bank Reyl & Cie und deren Tochtergesellschaft Reyl Private Office hatte am 17. Juni Strafklage gegen Condamin-Gerbier erstattet. Die Bank Reyl wirft ihrem ehemaligen Mitarbeiter Diebstahl, Urkundenfälschung und Verstoss gegen das Berufs-und Geschäftsgeheimnis vor.

Die wiederholten Falschdarstellungen und Behauptungen von Condamin-Gerbier gegenüber den französischen Medien trotz kategorischer Dementi der Reyl-Gruppe sowie die Fälschung eines internen Papiers hätten der Bank keine andere Wahl gelassen, als Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Mitarbeiter einzureichen, teilte Reyl & Cie am Samstag in einem Communiqué mit. Die Bank habe die Beweise der Bundesanwaltschaft am 17. Juni übergeben.

Brisante Liste an französische Justiz

Condamin-Gerbier hatte behauptet, die Reyl-Gruppe verwalte nicht deklarierte Konten französischer Politiker. Er verfüge über eine Liste mit den Namen von rund 15 französischen Ministern und Ex-Ministern vom linken und vom rechten Lager mit Konten in der Schweiz. Condamin-Gerbier hatte die Liste am 2. Juli der französischen Justiz übergeben. Die Bank hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

Der frühere französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac musste am 19. März von seinem Amt zurücktreten und einräumen, ein Bankkonto in Schweiz gehabt zu haben, das später nach Singapur transferiert wurde.

Gegen den Ex-Minister wurde am 2. April ein Ermittlungsverfahren wegen "Geldwäsche im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung" eingeleitet.

(aho/sda)