Stockende Reformen und die Gefahr eines Bankencrashs stellen laut Swiss-Re-Chefökonom Kurt Karl grössere Risiken für die europäische Wirtschaft dar als die Krise in der Ukraine. Trotz Säbelrasselns, harscher Worte und Sanktionen glaubt er an eine Deeskalation.

Für die USA und auch für Europa sei die Krimkrise in erster Linie ein politisches Problem. Er glaubt, dass die Situation zwischen Russland und der Ukraine in einem Patt endet. Karl ist optimistisch, dass es nicht zu einer Eskalation kommt: Ein «Leichtsinn» wäre es allerdings, wenn Russland in der Ostukraine einmarschieren würde.

Europa sei wegen der Abhängigkeit von russischem Gas und Öl insofern stärker von der Krimkrise betroffen als die USA, sagte Karl am Montag am Rande eines Anlasses des Rückversicherers in Rüschlikon ZH im Gespräch mit Journalisten. Aber auch für Europa erwartet der derzeit keine schweren wirtschaftlichen Folgen.

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Frankreich und Italien

Für Europa das weit grössere Problem seien Frankreich und Italien. Politische Unentschlossenheit und Reformunwille prägten die zweit- und drittgrösste Euro-Volkswirtschaft. Wegen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), welche die Eurokrise vorerst beruhigt habe, fehlten die Anreize für beide Länder, den Weg der Reformen zu beschreiten.

«Frankreichs Präsident François Hollande schwankt zwischen sozialistischen und wirtschaftsliberalen Rezepten», sagte Karl. Italien habe neben hohen Schulden das Problem wechselnder Regierungen. Regierungschef Matteo Renzi, seit Februar im Amt, habe sich noch nicht bewähren müssen.

Auch die Gefahren eines Bankencrashs oder eine Deflation wiegten wesentlich schwerer auf Europa als das Krim-Problem. Umgekehrt gehe aber Russland grosse Risiken ein, denn die Wirtschaft des Landes sei in keiner guten Verfassung.

(sda/tke/sim)