1. Home
  2. Politik
  3. «Barbarische» Angriffe auf Aleppo

Bombardements
«Barbarische» Angriffe auf Aleppo

Aleppo: Die Stadtbevölkerung leidet. Keystone

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben die Angriffe der syrischen und der russischen Armee auf Aleppo als «barbarisch» verurteilt.

Veröffentlicht am 30.09.2016

Nach Angaben des Weissen Hauses telefonierten Obama und Merkel miteinander und waren sich dabei einig, dass die Regierungen in Damaskus und Moskau eine «besondere Verantwortung» trügen, «die Kämpfe in Syrien zu beenden».

Der Osten Aleppos sei ein Gebiet, in dem hunderttausende Zivilisten lebten, beklagten Merkel und Obama nach Angaben aus Washington. Die Hälfte der Bewohner seien Kinder.

Scheitern der Feuerpause

Die syrische Armee hatte nach dem Scheitern einer Feuerpause vor einer Woche mit russischer Unterstützung eine Offensive auf den von Rebellen kontrollierten Ostteil der Metropole gestartet, um ganz Aleppo zurückzuerobern. Die Aufständischen beschiessen ihrerseits die von Regierungstruppen kontrollierten Stadtteile im Westen.

Merkel hatte wegen der Lage in Aleppo zuvor bereits mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Auch dabei kritisierten die Politiker die jüngste Regierungsoffensive auf Aleppo scharf.

Drohung der Amerikaner

Die USA haben Russland indessen damit gedroht, die Gespräche über eine Waffenstillstandsvereinbarung in Syrien zu beenden. US-Aussenminister John Kerry sagte am Donnerstag in New York, die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abbruch. Angesichts der anhaltenden Angriffe auf die syrische Metropole Aleppo seien derartige Gespräche «irrational». Moskau konterte, ein solcher Schritt würde einzig und allein den Terroristen nützen.

Die russische Führung erklärte, die Offensive auf Aleppo werde fortgesetzt. Die Rhetorik aufseiten der Regierung in Washington sei in den vergangenen Tagen eher unkonstruktiv gewesen.

Zusammenarbeit beenden

Mit der diplomatischen Kooperation zwischen den USA und Russland könnte es bald vorbei sein. Die USA drohen offen, die Zusammenarbeit in der Syrien-Frage zu beenden. Wegen des Streits ist auch der Weltsicherheitsrat blockiert.

Trotz der Eskalation des Kriegs mit massiven Angriffen auf die Grossstadt Aleppo zeigte sich auch der Uno-Sicherheitsrat bei dem Thema erneut uneins. «Wir sind zu keinen Schlussfolgerungen gekommen», sagte der neuseeländische Uno-Botschafter und derzeitige Ratsvorsitzende Gerard van Bohemen nach einer Sitzung des Gremiums.

Humanitäre Katastrophe in Aleppo

Zuvor hatte Uno-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien das Gremium in New York gewarnt, Aleppo erlebe derzeit eine humanitäre Katastrophe «wie sie in Syrien noch nicht erlebt worden ist».

Aleppo hatte in den vergangenen Tagen die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. In den Rebellengebieten dort sind bis zu 300'000 Menschen eingeschlossen.

Der russisch-amerikanische Austausch hatte vor allem nach einem Angriff auf einen Uno-Hilfskonvoi gelitten, für den die USA Russland zumindest mitverantwortlich machen.

Verschärfter Ton zwischen Moskau und Washington

Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow telefonierten am Donnerstag erneut. «Wir wollen, dass die Bombardements aufhören und dass humanitäre Hilfe hineinkommt», sagte Kerrys Sprecher.

Russland kritisiert seinerseits die US-Haltung seit Tagen scharf. Das Aussenministerium in Moskau wirft Washington unter anderem vor, mit der Syrien-Politik innenpolitische Ziele zu verfolgen. Unter anderem sei Washington nicht bereit, sich von terroristischen Gruppen unter den Rebellen zu distanzieren.

«Das beste Geschenk für Terroristen wäre ein Abbruch der Kooperation in der Syrienfrage», sagte Russlands Aussenamtssprecherin Maria Sacharowa. «Wenn Washington seine Drohungen umsetzt, wäre das ein grosser Feiertag für Terroristen.»

«Die Amerikaner haben nichts zur Eindämmung der Gewalt in Syrien getan. Und nun versuchen sie, die Schuld dafür Moskau und Damaskus in die Schuhe zu schieben», sagte der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschjow.

Merkel telefoniert mit Putin

Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel äusserte sich in einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin «äusserst besorgt» angesichts der katastrophalen humanitären Lage und forderte Putin auf, alles zu versuchen, um die Lage der Zivilbevölkerung zu verbessern, wie ein Regierungssprecher in Berlin mitteilte.

(sda/chb/jfr)

Anzeige