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Terror
Barcelona: Haft für drei Terrorverdächtige

Barcelona: Die Ermittlungen sind in vollem Gange. Keystone

Ein Richter hat entschieden, dass drei von vier überlebenden Mitglieder der Terrorzelle in Katalonien in Untersuchungshaft bleiben. Zwei von ihnen können auch nicht auf Kaution freikommen.

Veröffentlicht am 23.08.2017

Drei der vier überlebenden Mitglieder einer islamistischen Terrorzelle in Katalonien bleiben in Untersuchungshaft. Das entschied ein Richter am nationalen Strafgerichtshof in Madrid. Zwei von ihnen bleiben ohne Möglichkeit, auf Kaution freizukommen in Gewahrsam, einer für weitere 72 Stunden, der vierte wird freigelassen. Die Männer sollen für die Anschläge in Barcelona und Cambrils mit 15 Todesopfern und mehr als 120 Verletzten verantwortlich sein.

Das berichteten mehrere spanische Medien am Dienstagabend übereinstimmend. Mohamed Houli Chemlal habe zugegeben, dass er der islamistischen Zelle angehört habe, die Ermittlern zufolge hinter dem Anschlag mit einem Lieferwagen vom Donnerstag auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona steckt, hiess es aus Justizkreisen. Chemlal ist einer der vier Verdächtigen, die einen Tag vor dem Attentat nach einer Explosion in einem Haus in Alcanar, südwestlich von Barcelona, festgenommen wurden.

Anschlag auf Sagrada Familia geplant

Chemlal, ein spanischer Staatsbürger, der aus der spanischen Exklave Melilla stammt, die von marokkanischem Territorium umgeben ist, sagte, die Attentäter hätten einen wesentlich grösseren Anschlag mit Sprengstoff geplant - auf verschiedene Monumente, darunter auf das Wahrzeichen von Barcelona, die Basilika La Sagrada Familia.

Dem Gericht in Madrid vorgeführt wurden neben Chemlal Driss Oukabir, Mohammed Aallaa und Salah el Karib - alle drei Marokkaner, genauso wie der Imam Abdelbaki Es Satty, der sich in dem kleinen Städtchen Ripoll in den Pyrenäen nördlich von Barcelona eingerichtet hatte.

IS-Terrormiliz bringt sich in Erinnerung

Die Attentäter von Barcelona und Cambrils sollen von dem aus Marokko stammenden Imam radikalisiert worden sein. Zu den Anschlägen in Katalonien hat sich schliesslich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Der 27-jährige Mohamed Allaa, der Besitzer des Wagens, der bei der vereitelten Attacke in Cambrils benutzt worden war, kommt den Berichten zufolge nun frei. Auf Haftentlassung kann auch der 34 Jahre alte Salah el Karib hoffen.

Der 21-jährige Mohamed Chemlal und der 28-jährige Driss Oukabir bleiben dagegen für die Dauer der Ermittlungen und bis zur eventuellen Eröffnung eines Verfahrens hinter Gittern. Den beiden wird unter anderem Terrorismus und Mord, Chemlal auch Sprengstoffbesitz vorgeworfen.

Oukabir habe zwar gestanden, den für den Anschlag in Barcelona benutzten Lieferwagen und ein weiteres Fahrzeug gemietet zu haben. Er habe nach eigenen Angaben aber gedacht, dass seine Bekannten damit einen Umzug machen wollten, berichteten Medien. Der Richter schenkte ihm aber offenbar keinen Glauben. Die beiden anderen Männer hätten jede Verwicklung in terroristische Aktivitäten bestritten, hiess es.

Imam als Drahtzieher

Zwei der vier am Dienstag vor Gericht angehörten hätten ausgesagt, dass der Imam von Ripoll der Drahtzieher des Attentates gewesen sei und sie zu der Tat angestiftet habe, hiess es aus den Justizkreisen weiter.

Der Imam habe für sich einen Selbstmordanschlag geplant. Er kam aber bereits bei der Explosion in Alcanar ums Leben. Der mutmassliche Fahrer des Wagens, Younes Abouyaaqoub, wurde am Montag von der Polizei erschossen. Zu den Anschlägen in Katalonien hat sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Noch 48 Anschlagsopfer im Spital

Nach den Anschlägen vom vergangenen Donnerstag und Freitag werden noch immer 48 Verletzte im Spital behandelt, von denen acht in Lebensgefahr schweben.

Mindestens eines der Mitglieder der Terrorzelle hielt sich nach Angaben des Bundesamtes für Polizei (fedpol) im Dezember in Zürich auf. In spanischen Medien war davon die Rede, dass Mohamed Hichamy und Youssef A. sich in Zürich aufhielten. Hichamy wurde bei dem Anschlag in Cambrils von der Polizei erschossen, Youssef A. soll bei der Explosion in Alcanar ums Leben gekommen sein.

(sda/cfr/me)
 

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