Herr Ritter, Sie forderten bereits im Januar mehr Rambazamba. Sonst scheitere die Kampagne für die Unternehmenssteuerreform. Hat man Sie ignoriert?
Markus Ritter: Irgendwann lief die Kampagne schon noch an, am Ende sogar sehr intensiv. Aber wenn man in einer Ja-Kampagne gewinnen will, muss man die Meinungsführer in der eigenen Basis früh auf seine Seite holen. Wir haben es nicht geschafft, die regionalen Verbände im Herbst schon so einzubeziehen, dass sie in der Lage waren, einen Teil des Abstimmungskampfs eigenständig zu führen.

Wann wurden diese eingebunden?
Nicht vor dem 9. Januar. Zu diesem Zeitpunkt war in den Regionen kaum jemand informiert. Wenn wir beim Bauernverband eine Kampagne machen, dann werden ein halbes Jahr im Voraus Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Termine bis auf Gemeindestufe definiert. Das hat mir hier komplett gefehlt.

Wessen Fehler war das? Sie waren doch selber Co-Präsident der Kampagne.
Nicht mal mir war klar, wer die Kampagne führte. Operativ waren das die FDP, der Gewerbeverband sowie im Hintergrund Economiesuisse. Aber unklar war, wer strategisch die Fäden in den Händen hielt. Im September habe ich an einer Sitzung danach gefragt, aber da hat man mich nur mit grossen Augen angeschaut. Ich würde mich jetzt nicht zu all dem äussern, wenn ich nicht Anfang Januar schon eindringlich gewarnt hätte. Ich rede darüber, weil die Wirtschaft aus dieser Kampagne lernen muss.

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War der Gewerbeverband die falsche Trägerschaft?
Nein. Es ist richtig, dass Gewerbeverband und Economiesuisse zusammenarbeiten. Aber es hat lange das Herzblut gefehlt. In der ersten Januarwoche waren die Verantwortlichen alle in den Ferien oder nicht erreichbar. Das hat mich verwundert. Wenn man einen Abstimmungskampf gewinnen will, braucht man militärisch gesprochen eine Führung, die jederzeit auf der Brücke steht. Dann braucht es Artillerie: die Parlamentarier und Kantonsvertreter. Und dann braucht es viel Infanterie. Leute nahe beim Volk, die Argumente vermitteln.

Die Infanterie hat gefehlt?
Nein, sie wäre vorhanden gewesen. Aber wenn sie keinen Auftrag dafür bekommt, was bis wann ausgeführt werden muss, wirds schwierig.

Und dann kam im dümmsten Moment die Aktion von alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.
Genau. Wenn alle Fäden gespannt gewesen wären, hätte das einen Schlag aufs Netz gegeben und wäre wieder abgeprallt. Ohne Netz aber ist der Feuerball direkt in den trockenen Waldboden eingeschlagen. Das gab einen Flächenbrand. Zudem kam Nervosität bei den Befürwortern auf. Die Aktivitäten wurden hochgefahren. Da war es aber schon zu spät. Bis zu Widmer-Schlumpf dachte ich, es reicht vielleicht für ein Ja. Dann war es gelaufen.