Die belgischen Behörden sind am Donnerstag wegen der Anschläge von Paris mit mehreren Razzien gegen mutmassliche Islamisten vorgegangen. Die Polizei nahm nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei sechs Durchsuchungen in Brüssel eine Person fest. Ministerpräsident Charles Michel kündigte an, man werde schärfer gegen Hassprediger vorgehen und die Befugnisse der Polizei erweitern.

Belgien war in den Fokus der Ermittlungen gerückt, nachdem bekanntwurde, dass mindestens zwei der Attentäter von Paris im Brüsseler Armenviertel Molenbeek gelebt hatten. Michel erklärte vor dem Parlament, mit Hilfe neuer Gesetze werde das Land aus Syrien zurückkehrende Dschihadisten festnehmen können.

Neue Schranken für Prepaid-Handys

Zudem würden Hassprediger verhaftet oder ausgewiesen. Die Polizei soll die Befugnis erhalten, Razzien zu jeder Tages- und Nachtzeit vorzunehmen. Es soll in Belgien unmöglich werden, anonym Pre-Paid-Karten für Mobiltelefone zu kaufen.

Michel nahm die Polizei seines Landes in Schutz. «Ich weise die Kritik zurück, die unsere Sicherheitsdienste verunglimpfen soll», sagte er. Der Regierungschef machte für den Anschlag in Paris «französisch-belgische Zellen» verantwortlich. Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte dagegen erklärt, der Angriff mit etwa 130 Toten sei in Belgien geplant worden. In französischen Medien waren Geheimdienstkreise mit dem Satz zitiert worden: «Die Belgier bringen es einfach nicht.»

Problemviertel in Brüssel

Seit Jahren führen nach Anschlägen von Islamisten Spuren in das Brüsseler Viertel Molenbeek. Als Ursachen der Probleme gelten die Dezentralisierung der Behörden sowie Spannungen zwischen den verschiedenen Landesteilen. Belgien stand zudem lange für fundamentalistische Prediger offen. Weiter gibt es einen florierenden Schwarzmarkt für Schnellfeuergewehre, wie sie in Paris verwendet wurden.

Am Mittwoch hatten die französischen Behörden in Paris nach eigener Darstellung mit einem eigenen Grosseinsatz einen weiteren Anschlag verhindert. Der Verbleib des mutmasslichen Drahtziehers der Pariser Angriffe, Abdelhamid Abaaoud, blieb jedoch auch am Donnerstag zunächst unklar.

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(reuters/mbü/ama)