Das beliebte Reiseland Türkei kommt nicht zur Ruhe. In den vergangenen Monaten haben mehrere Anschläge mit vielen Toten dem Tourismus bereits schweren Schaden zugefügt. Ende Juni verübten drei Selbstmordattentäter des Islamischen Staates ein Attentat auf den internationalen Flughafen der Metropole Istanbul. 45 Menschen wurden dabei getötet.

Am Freitagabend versuchten schliesslich Teile des Militärs die Regierung zu stürzen. Der Versuch scheiterte, fast 300 Menschen kamen ums Leben. Zwar hat die Regierung die Situation mittlerweile wieder unter Kontrolle. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat dafür mit einer «Säuberung» von Militär und Justiz begonnen, bei der bereits Tausende echte oder vermeintliche Putschisten verhaftet wurden. Seine Härte lässt eine weitere Destabilisierung der Türkei fürchten.

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Badeorte unberührt

Trotz dieser schwierigen Ausgangslage befinden sich weiterhin Tausende Schweizer in den Badedestinationen der Südtürkei. Alleine der Türkeispezialist Bentour hat zur Zeit rund 3000 Gäste im Land, davon etwa 1300 aus der Schweiz, wie Sprecher Christian Hauk bestätigt. Diese seien während dem Putschversuch aber zu keiner Zeit in Gefahr gewesen, betont Hauk.

«Die Badeorte blieben von den Ereignissen komplett unberührt», so Hauk. «Fürs Militär waren die Touristenorte uninteressant». Der gescheiterte Putschversuch hat deshalb nicht zu einer Flut von Annulationen geführt. Über das Wochenende habe es bei Bentour etwa eine Handvoll Stornierungen gegeben, sagt Hauk. Auch bei Hotelplan Suisse und TUI Suisse nutzten Kunden nur vereinzelt die Möglichkeit, zu stornieren.

Der Reiselust tat der Putschversuch kaum einen zusätzlichen Abbruch: Bei Hotelplan Suisse gingen bereits wieder Neubuchungen für Türkeireisen ein, zwei davon sogar für Dienstag, wie Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir sagte.

Keine Gäste in Istanbul

Die Badeorte sind nicht nur von den Unruhen ausgenommen, auch die Terrorangriffe konzentrierten sich vor allem auf die Grossstädte Istanbul und Ankara, sowie die Kurdengebiete im Osten des Landes, die ohnehin nicht zum Programm der Reiseanbieter gehören. Laut Hauk hatte Bentour am Freitag keinen einzigen Gast in den betroffenen Städten. «Ankara ist keine typische Tourismusdestination und in Istanbul ist es im Hochsommer schlicht zu heiss», erklärt Hauk.

Wie alle Anbieter hat Bentour dennoch mit der verschlechterten Sicherheit im Land zu kämpfen. «Der Tourismus hat in den letzten eineinhalb Jahren spürbar gelitten», sagt Hauk. Als Spezialist habe man aber viele türkeierfahrene Kunden, die sich nicht so schnell abschrecken liessen. 2016 betrage der Buchungsrückgang für die Türkei «lediglich eine kleine zweistellige Prozentzahl» zum Vorjahr.

«Demokratie ist für uns besser als Militärdiktatur»

Schon vor dem Putschversuch hatten andere Reiseorganisatoren weit dramatischere Zahlen vermeldet. Bei Tui Schweiz sanken die Buchungen für die Sommersaison um die Hälfte gegenüber dem Vorjahr, bei Hotelplan gar um 70 Prozent. Die Gewalt hatte potenzielle Kunden offenbar nachhaltig verunsichert.

Um die genauen Folgen des Putsches abzuschätzen, sei es noch zu früh, sagt Hauk. Er erwarte aber, dass sich die Situation nun beruhige und sich auch die Buchungszahlen im nächsten Jahr wieder stabilisieren würden. «Eine Demokratie ist für uns sicher besser als eine Militärdiktatur», so Hauk. Andernfalls hätte ein ägyptisches Szenario gedroht, wo die Touristenstrände in diesem Jahr leer geblieben sind.

Nachhaltiger Imageschaden?

Die Türkei sei als Urlaubsdestination nicht mehr wegzudenken, glaubt Hauk. Doch nicht alle Experten sind so optimistisch. Tourismusprofessor Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern warnte nach dem Anschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul vor einem nachhaltigen Imageschaden.

Es könne Jahre dauern, bis sich die Türkei als Reiseland erhole. Das Problem sei die Häufung der Vorfälle. «Es hat ein Ausmass angenommen, das beängstigt. Die Attacke auf den Istanbuler Flughafen ist Teil einer Serie in dieser Stadt und im ganzen Land.» Der gescheiterte Putschversuch trägt sicher nicht dazu bei, dass das Vertrauen der Touristen schneller zurückkommt.