Am Ort, wo «die Anfänge des berühmtesten Bouillonwürfels der Welt liegen», hat Bundesrat Alain Berset am Vorabend des Nationalfeiertags seine Worte ans Volk gerichtet. Wie damals der Unternehmer Julius Maggi müsse sich die Schweiz einige Fragen stellen.

Der Mühlenbesitzer Maggi habe pragmatisch und intelligent auf die Industrialisierung, also neue Technik und die ausländische Konkurrenz, reagiert, sagte Berset in Lindau ZH. Mit der Erfindung eines neuartigen Lebensmittels. Maggi habe damals ausgezeichnete Fragen gestellt. Zum Beispiel, welches die vielversprechenden Märkte sind. Oder mit welcher Unternehmenskultur die Mitarbeiter motiviert werden können.

«Auch unser Land muss sich Fragen stellen», sagte Berset gemäss Redetext. Etwa, wie sich auch in Zukunft Wettbewerbsfähigkeit und Solidarität verbinden liessen. Wie die Gesellschaft, trotz wachsender kultureller Vielfalt, zusammengehalten werden könne. In Bezug auf Europa stelle sich die Frage, wie die Schweiz ihre Identität und politische Kultur erhalten könne, ohne sich in Europa zu isolieren.

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Berset hielt Rede in Deutsch

«Wir leben in unsicheren Zeiten», sagte Berset mit Verweis auf den starken Franken, die Schulden- und Flüchtlingskrise. Gerade deshalb müsse sich die Schweiz auf das wirklich wichtige konzentrieren: eine kluge Politik des Zusammenhalts. Konkret müssten zum Beispiel die flankierenden Massnahmen erhalten bleiben, ältere Arbeitnehmer und Frauen verstärkt in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Das nationale Interesse am Zusammenhalt sei handfest und real. Man dürfe es nicht den Angstmachern überlassen und nicht den Träumern. Den Menschen in der Schweiz sei am besten gedient, «wenn wir realistisch und nüchtern bleiben.» Das sei vielleicht weniger emotional, aber nicht weniger patriotisch. «Denn Realismus stärkt die Schweiz.»

Berset hielt seine Rede im zürcherischen Lindau übrigens in Deutsch. Er sei ja ein Verfechter des Frühfranzösischen. Deshalb müsse er auch konsequent sein und sein Frühdeutsch ausprobieren, sagte der Freiburger.

Levrat macht Auftakt

Den Auftakt der 1. August-Redner machte einmal mehr Bersets Parteikollege Christian Levrat. Wie in den Vorjahren wandte er sich am Vortag des Nationalfeiertags per Video-Botschaft ans Volk. Die Schweizer müssten ihre «Herzen und Häuser öffnen für Menschen in Not», fordert der SP-Präsident.

Es gelte, sich lautstark gegen jene zu wehren, die das Leid der Flüchtlinge zu instrumentalisieren versuchten: «Wer von Asylchaos in der Schweiz spricht, will willentlich Panik verbreiten», sagte Levrat. Und wer die Gemeinden und die Bevölkerung aufrufe, einen Aufstand gegen die Einrichtung von Asylzentren zu machen, sei ein politischer Brandstifter.

«Schweiz trägt zur Linderung dese grossen Leides bei»

Einige benutzten das Leid der Flüchtlinge, um damit ein paar Wählerprozente zu gewinnen. «Diese negativen Stimmen müssen wir heute am 1. August und auch in den kommenden Monaten übertönen», sagte Levrat.

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Klar sei die Aufnahme von Flüchtlingen gerade aus Krisengebieten nicht einfach und fordere einen grossen Einsatz. Doch in den meisten Fällen funktioniere die Aufnahme gut. Er sei stolz, sagte Levrat, «dass die Schweiz dank ihrer humanitären Tradition und dank dem funktionierenden Asylwesen zur Linderung dieses grossen Leides beitragen kann.»

(sda/moh)