Mehr als 70'000 Türken haben Beschwerde gegen die Verfahren eingelegt, die nach dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli gegen sie eingeleitet worden sind. Ministerpräsident Binali Yildirim versicherte am Freitag, jede der Beschwerden werde eingehend geprüft, ein entsprechender Mechanismus sei von den Ministerien eingerichtet worden. Dies werde aber dauern, sagte Yildirim. Er erklärte nicht, auf welche Personengruppe er sich bezog.

Die Regierung hat seit dem Umsturzversuch von Teilen des Militärs zehntausende Soldaten, Polizisten, Justizbeamte, Ministeriumsmitarbeiter und sonstige Staatsbedienstete suspendiert, entlassen, verhaftet oder in Untersuchungshaft genommen.

32'000 Verdächtige in Untersuchungshaft

Auch zehntausende Schullehrer und Universitätsdozenten wurden unter dem Verdacht ihrer Posten enthoben, zu der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zu gehören, den die Regierung für den Putschversuch verantwortlich macht. Yildirim hatte nach dem Putschversuch nicht ausgeschlossen, dass es Fehler gegeben habe und einige Betroffene zu Unrecht verdächtigt würden. Er sicherte schon damals ein faires Verfahren zu. Derzeit sind rund 32'000 Verdächtige in Untersuchungshaft.

Rund 38'000 Häftlinge wurden vorzeitig aus der Haft entlassen, um Platz in den Gefängnissen zu schaffen. Laut Medienberichten plant die Regierung zudem den Bau von 174 neuen Gefängnissen in den kommenden fünf Jahren, um 100'000 weitere Plätze zu schaffen.

(sda/gku)