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Besetztes Gasfeld in Algerien: Viele Geiseln und Entführer tot

Dieses Gasfeld in Anemas, Algerien, befand sich in der Hand von Islamisten. (Bild: Keystone)

In Algerien fiel eine Befreiungsaktion der Armee fehl: Etliche Geiseln und Entführer sind tot. Das Gasfeld wurde von Islamisten wegen dem Militärkonflikt zwischen Frankreich und Mali besetzt.

Veröffentlicht am 17.01.2013

Zuerst vermeldeten algerische Medien, dass 30 Algerier und 15 Ausländer vom besetzten Gasfeld-Komplex im algerischen Anemas fliehen konnten. Nun berichtet die französische Agentur AFP, dass eine Befreiungsaktion der Armee fehlgeschlagen ist und dutzende Geiseln sowie etliche Entführer getötet wurden.

Das Gasfeld befand sich in den Händen von islamistischen Extremisten, die aufgrund von Frankreichs Militärintervention in Mali in Anemas einfielen.

Das eroberte Gasfeld ist nach Informationen des norwegischen Betreiberkonzerns Statoil momentan abgeschaltet, teilte Konzernchef Helge Lund in Oslo mit.

Nach Angaben am Donnerstag-Morgen von Helge Lund gehören neun Norweger und drei Statoil-Mitarbeiter anderer Nationalitäten zu den von den Terroristen genommenen Geiseln. Die Gesamtzahl sei weiter unklar. Statoil betreibt die Anlage zusammen mit dem britischen Konzern BP und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach.

In Medienberichten hatte es zuvor geheissen, dass die radikal-islamistischen Eroberer mit der Sprengung der Anlage gedroht hätten. Sie begründen ihre Aktion mit dem französischen Kriegseinsatz in Mali.

Rückzug der Armee gefordert

Nach der Geiselnahme zahlreicher Ausländer auf einem Gasfeld in Algerien haben drei der mutmasslichen Geiseln den Rückzug der algerischen Armee gefordert. Ein Brite, ein Ire und ein Japaner sprachen am Donnerstag per Telefon mit dem Fernsehsender Al-Dschasira.

Die rund um das Gasfeld stationierten algerischen Soldaten müssten abziehen und die Schüsse gegen die Anlage einstellen, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden und eine Verhandlungslösung zu ermöglichen, sagten sie.

Die mutmasslichen Geiseln wiederholten damit eine Forderung von einem der Entführer, der sich mit dem Pseudonym Abu al-Baraa präsentierte und sich zuvor auf Al-Dschasira zu Wort gemeldet hatte. «Wir fordern den Rückzug der algerischen Armee, um Verhandlungen ermöglichen zu können», sagte Baraa dem Sender.

Nach dem Überfall konnten gemäss Behördenangaben 30 algerische Geiseln entkommen. Die Nachrichtenagentur APS zitierte aus einer Mitteilung der Präfektur von Illizi, in der von «dreissig algerischen Arbeitern» die Rede ist, denen die Flucht von der Anlage bei In Amenas im Osten Algeriens gelungen sei.

Auch 15 Ausländer, darunter ein französisches Paar, seien den Geiselnehmern entkommen, berichtete der private Fernsehsender Ennahar unter Berufung auf eine «offizielle Quelle».

Ende des Militäreinsatzes in Mali gefordert

Islamisten von der Gruppe «Maskierte Brigade» hatten am Mittwochabend nach eigenen Angaben 41 Ausländer auf einem algerischen Erdgasfeld in ihre Gewalt gebracht. Darunter seien sieben US-Bürger, zwei Franzosen und zwei Briten. Nach algerischen Quellen sind es dagegen rund 20 Geiseln. Bei dem Angriff waren am Mittwoch ein Brite und ein Algerier getötet worden.

Zur Geiselnahme auf dem Gasfeld des britischen Konzerns BP und der norwegischen Statoil bekannte sich eine Al-Kaida nahestehende islamistische Gruppe. Diese forderte ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen Islamisten in Mali. Die algerischen Einsatzkräfte umstellten das Gelände der Geiselnahme am Donnerstag.

Die algerische Regierung hat nach Angaben aus Sicherheitskreisen Gespräche mit den USA und Frankreich über einen möglichen internationalen Einsatz aufgenommen. Überdies stehe die Regierung mit Stammesältesten der Tuareg in Kontakt, sagte ein Gewährsmann.

Die Tuareg sollen enge Verbindungen zu den Al-Kaida nahestehenden islamistischen Extremisten haben. Algerien erhofft sich von ihnen Hilfe bei den Verhandlungen mit den Geiselnehmern.

(chb/sda/awp)

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