Toni Bortoluzzi hält «Schwule, Lesben und alle, die allein leben oder ihren Partner nach Lust und Laune wechseln» für «fehlgeleitet». Gleichgeschlechtliche Paare hätten «einen Hirnlappen, der verkehrt läuft», so der SVP-Haudegen weiter. Doch das war nicht die einzige Tirade. Bortoluzzi kritisierte auch, dass Justizministerin Simonetta Sommaruga für die geplante Reform des Familienrechts ein Grundlagenpapier ausgerechnet von der Basler Rechtsprofessorin Ingeborg Schwenzer habe schreiben lassen.

Das Geld hätte sich die Justizministerin sparen können, so Bortoluzzi. Schwenzer sei «an sich eine gescheite Frau, neige aber zu unnatürlichem Verhalten». Und: «Man kann ja nicht jemanden, der abnormal ist, etwas Normales schreiben lassen», kritisierte er das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement. Nun nimmt sie erstmals Stellung.

Wollen Sie wirklich die Ehe abschaffen?
Ingeborg Schwenzer: Ganz und gar nicht. Mir schwebt nur ein neues Familienrecht vor, bei dem alle die Verantwortung für ihr Leben übernehmen, gleichgültig ob sie verheiratet sind oder nicht. Es soll zum Beispiel Männern nicht mehr möglich sein, wie in einer Ehe zu leben und hinterher sagen: Wir waren ja nicht verheiratet, deshalb bin ich für nichts verantwortlich.

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Die Kritiker werfen Ihnen vor, dass Sie die Ehe zerstören, den Inzest lockern und Polygamie zulassen wollen.
Die haben etwas gründlich missverstanden. Ich war schon etwas überrascht, dass man diese beiden Nebenpunkte meines Gutachtens herausgegriffen und sie gross zum Thema gemacht hat. Man hat sich an Schlagworten orientiert, nicht am Inhalt meines Gutachtens.

Aber Sie fordern doch eine Lockerung des Polygamieverbots?
Längerfristig muss man darüber nachdenken. Schon heute leben viele polygam: Sie sind verheiratet und haben daneben noch eine Beziehung ausserhalb. Wenn zum Beispiel die Geliebte ihre Berufstätigkeit für die Beziehung aufgibt, steht sie womöglich mit leeren Händen da. Sie braucht einen besseren Schutz. Das hat rein gar nichts mit Religion zu tun.

Sondern?
Ingeborg Schwenzer: Mit der Durchsetzung des Verantwortungsprinzips. Beide, Ehefrau und Partnerin sollen nach einer Trennung entschädigt werden, wenn Kinder da sind und einer für die Gemeinschaft weniger gearbeitet hat. Und was spricht eigentlich dagegen, die Ehe für Mehrfachpartnerschaften zu öffnen, wenn dies alle Beteiligten ausdrücklich wünschen? Aber das ist wirklich nur ein Randaspekt meines Gutachtens.

Ist die Lockerung des Inzestverbots auch nur ein Randaspekt?
Genau. Dass inzestuöse Ehen zwischen Eltern und ihren Kindern zugelassen werden, kommt überhaupt nicht in Betracht. Denn da ist der Missbrauch des Kinds immer wahrscheinlich. Das Verbot der Ehe zwischen Halbgeschwistern und der Ehe zwischen Geschwistern, bei denen die Verwandtschaft alleine auf Adoption gegründet ist, ist meiner Meinung nach aber überdenkenswert.

Sie schlagen auch vor, dass man quasi automatisch in eine Art Ehe hineinrutscht, wenn man zum Beispiel drei Jahre zusammengelebt hat. Zum Heiraten braucht es aber doch einen Willensakt?
Der Willensakt besteht bereits, wenn jemand bewusst wie in einer Ehe zusammenleben will. Aber nochmals: Männer sollen sich ihrer Verantwortung nicht dadurch entziehen können, indem sie nicht heiraten. Das gilt selbstverständlich auch für Frauen, die sich beispielsweise einen Partner aus Afrika holen, zwei Jahren mit ihm zusammenleben und dann sagen: Schau selber, wo du bleibst.

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Es gibt aber viele Paare, die explizit nicht heiraten wollen...
Für mich ist eine Beziehung so etwas wie eine kleine Firma. Wenn sie sich auflöst, werden Gewinne und Verluste unter allen Gesellschaftern aufgeteilt. Genauso soll es bei Beziehungen sein.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Schwesterpublikation Beobachter.