Kurt Rohrbach, Chef der BKW und Präsident des Verbands der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen (VSE), kritisiert die Energiestrategie des Bundes.

Die Vorgabe, wonach die Stromkonzerne pro Jahr bis zu zwei Prozent weniger Strom abgeben müssen, sei «keine sehr gute Idee», sagte Rohrbach im Interview mit der «Sonntagszeitung»: «Das Problem ist, dass Strom als einziger Energieträger dieser Vorgabe unterstellt ist».

Rohrbach will Mühleberg bis 2022 weiterbetreiben

Als «positiv» wertet Rohrbach dagegen, «dass die bestehenden Kernkraftwerke nicht vorzeitig vom Netz gehen sollen». Die Produktion aus den Kernkraftwerken werde von den Versorgern benötigt, «damit sie das System mit der nötigen Zeit und Sorgfalt umbauen können».

Er rechne für das von der BWK betriebene Kernkraftwerk Mühleberg «mit einem Weiterbetrieb bis 2022». Die drei grossen Schweizer Stromwerke BKW, Alpiq und Axpo planen derzeit grosse Pumpspeicherkraftwerke. Damit wollen sie unter anderem überschüssigen Solar- und Windstrom aus Deutschland speichern.

Unter Experten ist umstritten, ob sich diese Vorhaben finanziell lohnen. «Die Rentabilität bleibt eine schwierige Frage», räumt auch BKW-Chef  Rohrbach im Interview mit der «Sonntagszeitung» ein. Er fordert einen europaweiten Systemwechsel. «Die Produzenten von unregelmässig anfallender Energie aus Wind- und Solarstrom müssten den Nachweis erbringen, dass sie Überschüsse auch speichern können», verlangt Rohrbach.

Entsprechende Reservekapazitäten könnten sie dann etwa bei Anbietern wie der BKW einkaufen, so Rohrbach. Die BKW plant derzeit den Ausbau des Pumpspeicherkraftwerks Grimsel.

Mehr Gewinne für Stromkonzerne

Doris Leuthards Bundesamt für Energie (BFE) plant derweil zwei entscheidende Änderungen in der Stromversorgungs-Verordnung. BFE-Chef Walter Steinmann bestätigt entsprechende Informationen gegenüber der Zeitung «Der Sonntag». So sollen Investitionen in Elektrizitäts-Infrastruktur künftig dank einer neuen Formel höher verzinst werden. «Wir wollen die Formel für den Zinssatz tatsächlich korrigieren. Es wird eine leichte Anpassung nach oben geben», sagt Steinmann dem «Sonntag». Und zwar für sämtliche Investitionen, für die neuen wie für die alten Netze.

Was nach einer kleinen technischen Änderung klingt, habe für die Konsumenten jährlich Folgen in Millionenhöhe. Das lasse sich am Rechnungsbeispiel für das Jahr 2013 aufzeigen: Der angepasste Kapitalzins (WACC) läge nicht bei 3,8 Prozent, sondern bei 4,6 Prozent. Die Stromversorger könnten also mit rund 150 Millionen Franken mehr Gewinn rechnen, wäre die die neue Berechnungsgrundlage schon in Kraft.

Wirksam werden dürfte aber die neue Formel erst ab 2014. Steinmann verteidigt die Massnahme im Interview mit dem «Sonntag»: «Hier geht es nicht einfach um Gewinne, die wir verschenken, es geht um Investitionsanreize.» Damit solle sichergestellt werden, dass genügend in die Infrastruktur investiert werde.

Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) hingegen meldet Widerstand an. «Mehr Gewinn bedeutet nicht automatisch mehr Investitionen», sagt SGV-Energiespezialist Henrique Schneider in der Zeitung «Der Sonntag».

Keine andere Branche komme in Genuss solcher Rendite-Garantien. Zudem plane der Bund, eine Bestimmung in der Verordnung zu streichen, welche die Elektrizitätswerke zwingt, den Kunden den Strom zu Marktpreisen zu verkaufen, wenn diese tiefer sind als die Produktionskosten.

(muv)

Anzeige