Nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative sistiert die EU die Verhandlungen über ein Stromabkommen mit der Schweiz. BKW-Chefin Suzanne Thoma zeigt im Gespräch mit der «Handelszeitung» wenig überrascht über die Reaktion in Brüssel. Sie rechnet weiter mit einem Abschluss: «Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass es doch zu einem Stromabkommen kommen wird.»

Im Kern sei dies ja im Interesse beider Seiten. Scheitert das Stromabkommen dennoch, müssten die Schweiz und die EU einen anderen Weg finden, um ihre jeweiligen Interessen zu wahren, sagt Thoma. «Das heisst Marktzugang für uns, aber auch Zugang der EU zu unseren Transitleitungen.»

Es gibt strittige Punkte

Zurzeit rechnet die BKW-Chefin nicht mit finanziellen Einbussen, sollte das EU-Stromabkommen scheitern. Allerdings gibt es durchaus strittige Punkte mit Brüssel, die der Schweizer Strombranche empfindliche Mindereinnahmen bescheren könnten. Dazu gehören die Modalitäten der langfristigen Atomstrom-Importe aus Frankreich. «Wir haben rechtsgültige Verträge mit der Électricité de France bezüglich des Bezugs von Strom und der Nutzung der Grenzkapazitäten.

Nun möchte die EU derartige Verträge verbieten und pocht  auf einen einheitlichen Markt», sagt Thoma. Der Wechsel von physischen Lieferrechten der Vertragspartner hin zu Grenzauktionen für alle Marktteilnehmer bedarf einer Abgeltung. Die Frage sei nun, sagt die BKW-Chefin, wie hoch die Kompensation ausfällt und wie lange sie gilt. «Vorschläge aus der Politik und Verwaltung, die zu Einbussen führen, obwohl wir über rechtsgültige Verträge mit EDF verfügen, sind kein gangbarer Weg.»

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