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Gewalt
Blutige Kämpfe in der Ukraine

Blutige Kämpfe: Gegner der Regierung treffen auf die Polizei.   Keystone

Schwer bewaffnete Polizisten haben den Unabhängigkeitsplatz in der Hauptstadt Kiev gestürmt. Das Innenministerium sprach von einer «Anti-Terror-Operation». Es gab mindestens 14 Tote.

Veröffentlicht am 18.02.2014

Nach der Eskalation der Gewalt bei den ukrainischen Massenprotesten mit mindestens neun Toten ist die Polizei in Kiew am Dienstagabend gegen die Barrikaden der Opposition vorgerückt. Sicherheitskräfte und Regierungsgegner lieferten sich am Unabhängigkeitsplatz Maidan schwere Strassenschlachten.

Die Einsatzkräfte gingen mit Wasserwerfern gegen die Regierungsgegner vor. Die Demonstranten griffen die Polizisten mit Brandsätzen an. Teile des Zeltcamps der Protestanten gingen in Flammen auf. Zudem kam es zu mehreren Explosionen.

Rathaus erneut besetzt

Mindestens 300 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt, davon mindestens 135 Polizisten. Unmittelbar vor den Auseinandersetzungen auf dem Maidan hatten proeuropäische Demonstranten erneut das erst am Sonntag geräumte Rathaus der Hauptstadt besetzt.

Das Innenministerium hatte kurz vor Beginn des abendlichen Einsatzes die noch zu Tausenden versammelten Regierungsgegner zum Verlassen des Platzes aufgefordert. Es folge eine «Anti-Terror-Operation», hiess es. Die Oppositionsführung rief Frauen und Kinder in ihren Reihen auf, den Platz zu verlassen. Die Parlamentsabgeordneten wurden zu einer Dringlichkeitssitzung am späten Dienstagabend zusammengerufen.

Schwere Strassenschlachten

Nach Wochen angespannter Ruhe war es bereits im Tagesverlauf zu schweren Strassenschlachten gekommen. Sieben Zivilisten und zwei Sicherheitskräfte seien getötet worden, sagte ein Polizeisprecher der Agentur Interfax. Mindestens zwei Demonstranten und zwei Polizisten seien jeweils durch Schüsse getötet worden.

Auch in anderen ukrainischen Städten versammelten sich Regierungsgegner zu Protesten. Bereits im Vormonat waren bei Ausschreitungen mehrere Menschen in Kiew ums Leben gekommen.

Internationale Besorgnis

Die Entwicklung löste international Besorgnis aus. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zeigte sich «ernstlich besorgt». «Ich appelliere an alle Seiten, auf Gewalt zu verzichten und rasch den Dialog wieder aufzunehmen», teilte er in Brüssel mit.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief zur «Zurückhaltung» und zu einem «wirklichen Dialog» auf. Die französische Regierung verurteilte die neuen Ausschreitungen und die «willkürliche Anwendung von Gewalt».

Die USA forderten Staatspräsident Viktor Janukowitsch wurde aufgefordert, den Konflikt umgehend zu «Wir verurteilen weiterhin die Gewalt auf der Strasse und den übermässigen Einsatz von Gewalt auf beiden Seiten», sagte Regierungssprecher Jay Carney am Dienstag in Washington.

Burkhalter «schockiert und traurig»

Auch der Schweizer Bundespräsident und OSZE-Vorsitzende Didier Burkhalter äusserte am Dienstag seine tiefe Besorgnis über die Entwicklung in Kiew. Alle möglichen Schritte müssten unternommen werden, um die Gewalt zu stoppen, erklärte er.

«Ich war schockiert und traurig, als ich über das Blutvergiessen in den Strassen von Kiew erfuhr», liess sich Burkhalter in einem Communiqué der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zitieren. «Das ist eine sehr besorgniserregende Entwicklung.»

Burkhalter besprach die Lage in Kiew auch per Telefon mit dem ukrainischen Aussenminister Leonid Kozhara. Er bot dabei die Unterstützung und Expertise der OSZE an. «Alle Seiten sollten anerkennen, dass politische Diskussionen der einzige Weg sind, um diese Krise zu lösen.»

Die Ukraine wird seit Monaten von einem Machtkampf gelähmt. Die Opposition protestiert, seit Präsident Viktor Janukowitsch auf Druck Russlands ein weitreichendes Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt hatte. Die Opposition verlangt Neuwahlen und eine neue Verfassung, die die Vollmachten des Präsidenten erheblich zugunsten des Parlaments beschneidet.

(sda/dbe)

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