Die Parlamentswahlen in Albanien, die von der EU als Demokratietest für das arme Balkanland bezeichnet wurden, sind von Manipulationsvorwürfen und Gewalt überschattet worden. In der Stadt Lac wurde ein sozialistischer Parteianhänger erschossen.

Ein Regierungskandidat wurde verletzt. In der südalbanischen Hafenstadt Vlora zerstörte eine Explosion das Auto des örtlichen sozialistischen Parteisekretärs.

"Bewaffnete Kriminelle und Banditen" bedrohten im Auftrag der Regierung die Wähler vor einigen Wahllokalen im Norden, behauptete der oppositionelle sozialistische Spitzenpolitiker Ilir Meta. Die überregionale und örtliche Polizei lasse sie gewähren, ohne einzuschreiten. Aus zahlreichen Landesteilen wurde von Schlägereien vor Wahllokalen berichtet.

Wählen ohne Ausweis

Unabhängige Wahlbeobachter sprachen von massiven Unregelmässigkeiten: Wähler hätten ohne Ausweise abstimmen dürfen. Einige Wahllokale öffneten mit stundenlanger Verspätung.

Einzelne Wähler gaben für ganze Familien die Stimmen ab. In einem Fall wurde die Wahl unterbrochen, weil es viel mehr Wähler als Stimmzettel gab. Zuvor hatte bereits ein Streit um die Zentrale Wahlkommission für Aufregung gesorgt.

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Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

Bis zum Mittag hatten 23,5 Prozent der 3,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Sie sollen entscheiden, ob der seit 2005 amtierende Regierungschef Sali Berisha mit seinen rechtskonservativen Demokraten ein drittes Mandat bekommt.

Herausforderer sind die Vereinigten Linken unter Führung des früheren Hauptstadt-Bürgermeisters Edi Rama. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen im ärmsten Land Europas.

(chb/sda)