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Stürmung
Blutiges Ende der Geiselnahme in Istanbul

Polizisten riegeln das Gericht ab: Bei der Stürmung kamen drei Menschen ums Leben. Keystone

Die türkische Polizei hat die Geiselnahme in einem Istanbuler Gerichtsgebäude mit Gewalt beendet. Sowohl die Geisel, ein Staatsanwalt, als auch die beiden Angreifer wurden dabei getötet.

Veröffentlicht am 01.04.2015

Die türkische Polizei hat am Dienstagabend eine Geiselnahme in Istanbul mit Waffengewalt beendet. Die Beamten erschossen zwei Mitglieder einer linksextremen Gruppe, die in einem Istanbuler Gerichtsgebäude einen Staatsanwalt als Geisel genommen hatten, wie der Polizeichef der türkischen Metropole, Selami Altinok, mitteilte.

Der Staatsanwalt wurde lebensgefährlich verletzt und starb am Abend im Spital. Stundenlange Verhandlungen zwischen Geiselnehmern und Behörden waren zuvor gescheitert.

Ermittlungen verschleppt

Die beiden Mitglieder der linksextremistischen Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) hatten Staatsanwalt Mehmet Selim Kiraz am Mittag im Justizpalast im europäischen Teil Istanbuls in ihre Gewalt gebracht. Kiraz ermittelt wegen des Todes von Berkin Elvan, einem Jungen, der 2013 bei den Gezi-Unruhen von einer Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen wurde und nach monatelangem Koma starb.

Kritiker werfen der Justiz seit langem vor, die Ermittlungen gegen die mutmasslichen Verantwortlichen für Elvans Tod zu verschleppen.

Explosion und Schüsse

Polizeichef Altinok erklärte, es sei über Stunden alles versucht worden, um die Geiselnahme unblutig zu beenden. Die Polizei habe sich zur Stürmung entschlossen, nachdem aus dem Zimmer der Geiselnehmer Schüsse zu hören gewesen seien. Aus dem Gerichtsgebäude waren zur Zeit der Stürmung die Geräusche einer Explosion von mehreren Dutzend Schüssen zu hören gewesen.

Elvans Vater hatte vergeblich an die Geiselnehmer appelliert, den Staatsanwalt freizulassen. Die Täter forderten, die Behörden sollten die Namen jener Polizisten veröffentlichen, die als Verantwortliche für den Tod von Berkin Elvan in Frage kommen. Andernfalls werde der Staatsanwalt erschossen.

Als Anwälte ausgegeben

Der ins Spital eingelieferte Staatsanwalt konnte nicht gerettet werden, wie die behandelnden Ärzte im türkischen Fernsehen mitteilten. «Er war schwer verletzt, als er eintraf, wir haben ihn trotz unserer Bemühungen verloren», sagten sie. «Er atmete nicht mehr und sein Herz schlug nicht mehr.» Der Staatsanwalt war den Ärzten zufolge von Kugeln im Kopf und in der Brust getroffen worden.

Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte laut der Nachrichtenagentur Anadolu, die Täter hätten sich als Anwälte ausgegeben und sich so Zutritt zu dem Justizgebäude verschafft. Der Staatsanwalt sei von drei Kugeln im Kopf und zwei Kugeln im Körper getroffen worden.

(sda/gku)

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