Bob Lutz, ehemaliger Automobilmanager bei GM, Ford, Chrysler und BMW, ist wenig überzeugt von der Wirkung der Tweets des künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Diese machten zwar viele Manager nervös, aber zu Änderungen von Investentscheiden würden sie nicht führen. «Das tönt zwar gut, ist aber dummes Geschwätz.» Denn: «Keine Firma ändert aufgrund von Tweets ihre Investitionspläne.»

Hintergrund sei im Fall von Ford vielmehr, dass der Kleinwagenverkauf in Amerika so schlecht laufe, dass die geplante Fabrik in Mexiko ohnehin storniert worden wäre. Lutz: «Die Tweets von Trump waren eher eine willkommene Ausrede, um die Investition zu annullieren.»

Neuer Zollvertrag

Hingegen ist Lutz der Meinung, dass Zollverträge mit Europa neu ausgehandelt werden müssten. Die EU würde auf US-Fahrzeuge erst einmal einen Zoll von 10 Prozent draufschlagen. Lutz: «Und dann kommt je nach Land noch eine Mehrwertsteuer von 17 bis 20 Prozent dazu.» Die USA dagegen würden auf Autos bloss eine Importsteuer von 2,5 Prozent verlangen. «Das ist nicht fairer Handel.» Lutz ist überzeugt: «Amerika hat die industriellen Arbeitsplätze an Asien und an Europa verkauft, und zwar im Namen von niedrigen Preisen für amerikanische Konsumenten.» Das müsse Trump schleunigst ändern.

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Von einer Auflösung des Nafta-Vertrags, wie von Trump postuliert, hält Lutz nichts. «Wir haben einen fruchtbaren Handelsverkehr zwischen Mexiko und den USA, das ist keine Einbahnstrasse.» Die USA exportierten jeden Monat für 20 Milliarden Dollar nach Mexiko. Lutz: «Der Handel zwischen Mexiko und den USA ist nicht das Problem. Auch nicht mit Kanada, da haben wir ein Handelsbilanzplus.»

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