Kurz vor der Jahreswende drosselt die US-Notenbank Fed überraschend ihre milliardenschweren Konjunkturspritzen. Das Ankaufprogramm für Staatsanleihen und Immobilienpapiere wird ab Januar von 85 Milliarden auf 75 Milliarden Dollar gestutzt. Das teilte die Fed am Mittwochabend nach ihrer zweitägigen Ratssitzung in Washington mit. Finanzanalysten hatten eine knappe Entscheidung erwartet, jedoch mehrheitlich mit einer Drosselung erst im nächsten Jahr gerechnet.

Auf der um 20:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit gestarteten Pressekonferenz erklärte Fed-Chef Bernanke die Entscheidung mit dem besseren Ausblick für die Konjunktur und den positiven Signalen am Jobmarkt. Die künftige Entwicklung des Anleihekaufprogramms sei nicht vorgegeben, sagte Bernanke. Es könne bei einer sich weiter aufhellenden Konjunktur weiter zurückgefahren werden – allerdings auch wieder aufgestockt werden.

Arbeitslosenrate taugt nur noch bedingt als Indikator

Die Wirtschaft erhole sich mit moderater Geschwindigkeit. Seit Beginn der Anleihekäufe sei die Zahl der neu geschaffenen Jobs um 2,9 Millionen gestiegen, die Arbeitslosenrate auf 7 Prozent gesunken. «Der Arbeitsmarkt ist stark genug», sagte Bernanke, betonte jedoch auch, dass es für viele Amerikaner noch immer schwer sei, einen Job zu finden. Die Inflation lege zu.

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Zuletzt wurde immer deutlicher, dass die Arbeitslosenrate allein nicht mehr als guter Indikator für den US-Jobmarkt ausreicht. Denn immer mehr Langzeitarbeitslose wenden sich frustriert vom Arbeitsmarkt ab und fallen damit aus der Statistik – somit sank in den vergangenen Monaten parallel mit der Partizipationsrate auch die Erwerbslosenquote. Dieses Phänomen erwähnte denn auch Fed-Chef Bernanke auf der Pressekonferenz, die um 21:36 mitteleuropäischer Zeit endete. 

Leitzins bleibt lange niedrig

Quasi als Trostpflaster versicherte die Zentralbank den Märkten, dass sie den Leitzins von derzeit nahe null Prozent auch bei einer weiteren Besserung am Jobmarkt noch lange niedrig halten wird, selbst wenn die Arbeitslosenquote unter den angepeilten Wert von 6,5 Prozent fallen sollte. Eine Zinswende in der weltgrössten Volkswirtschaft ist damit weiterhin nicht in Sicht. Damit versucht die Fed, die Märkte zu beruhigen, die in den vergangenen Monaten ein abruptes Ende der laxen Geldpolitik befürchtet hatten. 

Die Wall Street feierte am Mittwoch diesen Ausblick und schloss mit Rekordständen. Der Dow Jones mit den 30 Standardwerten ging 1,8 Prozent fester aus dem Handel bei 16'168 Punkten – so hoch wie nie zuvor. Der breiter gefasste S&P 500 stieg 1,7 Prozent auf das Rekordniveau von knapp 1811 Stellen. Der technologielastige Nasdaq-Index gewann 1,15 Prozent auf 4070 Zähler.

Medizin für die Wirtschaft wirkt mittlerweile

Ihren Leitzins bestätigte die Fed auf dem Rekordtief zwischen 0 und 0,25 Prozent. Für die Wirtschaft wirkt die geldpolitische Medizin mittlerweile. So war die Arbeitslosenquote zuletzt auf 7,0 Prozent gefallen und hat sich der ursprünglichen Zielmarke von 6,5 Prozent stark angenähert. Zudem ist ein drohender Haushaltsnotstand in Washington, der wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft schwebte, durch einen Kompromiss im Kongress vorerst abgewendet. Die meisten Fed-Beobachter hatten dennoch erwartet, dass Bernanke seiner ab Februar amtierenden Nachfolgerin Janet Yellen die Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik überlassen würde.

Mit dem schon 15 Monate laufenden Wertpapier-Programm versucht die Fed, die Kosten für langfristige Finanzierungen zu drücken und damit Investitionen und die Schaffung von Stellen zu fördern. Mit dem vielen billigen Geld steigt aber auch die Gefahr, dass die Saat für eine erhöhte Inflation gelegt wird und es zu Preisblasen kommt – etwa an den Immobilienmärkten, so die Befürchtung der Kritiker.

(mit Material von sda und reuters)