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Konflikt
Bombenhagel über Aleppo fordert viele Tote

Zerstörung: Mindestens 81 Menschen sollen getötet worden sein. Keystone

Die syrische Stadt Aleppo wird von Bomben übersäät. Nach dem Scheitern der Waffenruhe hat die Syriens Regierung eine Offensive gestartet. Zeitgleich fand in New York ein weiteres Krisentreffen statt.

Veröffentlicht am 24.09.2016

Nach dem Scheitern der Bemühungen um eine neue Waffenruhe in Syrien haben die syrische und die russische Luftwaffe den Ostteil von Aleppo mit einem wahren Bombenhagel überzogen. Es gab ununterbrochen Luftangriffe auf Bezirke in Rebellenhand.

Das berichtete ein AFP-Reporter am Freitag. Die Attacken sollen laut dem syrischen Militär eine Bodenoffensive vorbereiten.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von dutzenden schweren Luftangriffen in der Nacht zum Freitag sowie am Morgen danach. Die syrische Luftwaffe werfe Fassbomben über Aleppo ab, und Russland unterstütze die Verbündeten mit Luftangriffen.

Viele Menschen getötet

Laut den zivilen Helfern der Weisshelme wurden mindestens 81 Menschen getötet. In den Trümmern wurden noch etliche Verschüttete vermutet.

Über dem Ostteil der Stadt flogen Aufklärungsmaschinen, die Luftaufnahmen machten, gefolgt von angreifenden Kampfjets. Nach Angaben des AFP-Reporters wurden auch zwei Zentren der Weisshelme beschädigt, ein Krankenwagen und ein Feuerwehrauto waren danach nicht mehr benutzbar. Die Organisation kümmert sich um Kriegsopfer und war dafür erst am Donnerstag mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden.

Angekündigte Offensive

Die syrische Armee hatte am Donnerstagabend eine Offensive zur Rückeroberung von Ost-Aleppo angekündigt. Bewohner sollten sich «von den Positionen der terroristischen Gruppen» fernhalten, hiess es mit Blick auf die Regierungsgegner. Zivilisten, die in den von der Regierung gehaltenen Westteil der Stadt übersiedeln wollten, würden nicht festgenommen.

Aleppo ist seit 2012 geteilt, die Armee will die vollständige Kontrolle über die einstige Wirtschaftsmetropole im Norden Syriens zurückerlangen. Am Freitag bestätigte ein syrischer Militärvertreter, dass die Armee in Aleppo mit «Aufklärungseinsätzen sowie Angriffen aus der Luft und mit Artillerie begonnen» habe. «Das kann Stunden oder Tage dauern», hiess es.

Gegenseitig Schuld zuschieben

Darauf werde eine Bodenoffensive folgen, deren Zeitplan von den Ergebnissen der jüngsten Einsätze abhänge. Ein weiterer Vertreter sagte, Ziel der Offensive sei es, den Kontrollbereich der Armee auszuweiten.

«Aleppo wird attackiert», beklagte der Uno-Sondergesandte Staffan de Mistura bereits am Donnerstagabend in New York. Alle Konfliktparteien hätten nach der gescheiterten Feuerpause wieder zu den Waffen gegriffen. Vor kurzem war eine von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe nach nur einer Woche für beendet erklärt worden. Die Konfliktparteien machen sich gegenseitig für das Scheitern verantwortlich.

Ernüchterung in New York

In New York endete auch ein internationales Krisentreffen von mehr als 20 Aussenministern am Rande der Uno-Vollversammlung zunächst ergebnislos. Vertreter dieser Syrien-Unterstützungsgruppe äusserten sich danach ernüchtert.

Während US-Aussenminister John Kerry sagte, er sei «frustrierter» als am Tag zuvor, antwortete sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow auf die Frage, ob es eine Vereinbarung gebe: «Nichts ist passiert.»

Weitere Gespräche sollen folgen

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier berichtete von einer «sehr offenen, sehr kontroversen» Diskussion innerhalb der Gruppe. Normalerweise ist das eine Umschreibung dafür, dass gegenseitig massive Vorwürfe erhoben wurden.

Die Gespräche sollen am Freitag und im Lauf der kommenden Tagen aber fortgesetzt werden. Dabei geht es auch um die Frage, ob Russland zum Verzicht auf Luftangriffe in Gebieten Syriens, die nicht von Islamisten gehalten werden, bereit ist.

Weg für Hilfslieferung gesucht

Die vor einigen Tagen gescheiterte Feuerpause sollte auch Hilfslieferungen in belagerte Gebiete ermöglichen, besonders nach Aleppo. Die Uno hoffte, die Metropole über die Strasse von Castello zwischen der türkischen Grenze und Aleppo zu erreichen, was aber scheiterte.

Im Grenzgebiet steckten am Freitag weiterhin 40 Lastwagen fest. Das Uno-Koordinierungsbüro für humanitärer Hilfe (OCHA) erklärte, es werde nun geprüft, ob die Hilfen über den deutlich längeren Weg über Damaskus in die Stadt gebracht werden könnten.

(sda/jfr)

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