Der Brexit-Befürworter Boris Johnson wird neuer britischer Aussenminister. Das teilte das Büro von Premierministerin Theresa May am Mittwoch mit. Johnsons Einsatz galt als entscheidend für den Erfolg der Brexit-Kampagne. Der ehemalige Londoner Bürgermeister selbst hatte sich überraschend nicht für den Posten des Regierungschefs beworben. Die ehemalige Innenministerin May steht seit Mittwoch an der Spitze der britischen Regierung.

Allerdings dürfte Johnson vermutlich bei den Verhandlungen über das künftige Verhältnis Grossbritanniens mit der Europäischen Union nur eine geringe Rolle spielen. David Davis soll den Austritt aus der Europäischen Union organisieren. May übertrug Davis das neu geschaffene Brexit-Ministerium. Damit ist er der britische Chefunterhändler in den Verhandlungen mit Brüssel.

Aussenminister übernimmt Finanzressort

Der bisherige Aussenminister Philip Hammond hatte zuvor das Finanzressort von George Obsborne übernommen. Hammond will der heimischen Finanzbranche trotz des Brexit-Votums den Zugang zum EU-Binnenmarkt erhalten.

Er befürchtet, dass andernfalls viele Finanzunternehmen in andere europäische Städte abwandern könnten. Osborne war einer der engsten Vertrauten des ehemaligen Premierministers David Cameron, der nach dem verlorenen Brexit-Referendum sein Amt niedergelegt hatte.

Neue Innenministerin wird Amber Rudd

Liam Fox, der 2011 von seinem Amt als Verteidigungsminister wegen der Verquickung von beruflichen und privaten Interessen zurücktrat, ist nun Minister für internationale Handelsbeziehungen. Mays Nachfolgerin im Innenministerium ist die Abgeordnete Amber Rudd. Michael Fallon bleibt Verteidigungsminister. Ein erstes Treffen der Politiker fand bereits im Amtssitz in der Downing Street in London statt

Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte May telefonisch Glück für das neue Amt. Dies teilte ihr Sprecher Steffen Seibert am Mittwochabend in Berlin mit. Beide waren sich demnach einig, dass die Zusammenarbeit im Geiste der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder fortgesetzt werden soll. Ausdrücklich wurde dies auch auf die Verhandlungen über den Austritt Grossbritanniens aus der EU bezogen.

Hände schütteln mit der Queen

May war am Mittwochabend in einer kurzen Zeremonie von der Queen zur Premierministerin ernannt worden. Ihr Ehemann Philip hatte sie bei dem kurzen Besuch im Buckingham-Palast begleitet. May gab der Queen die Hand und machte einen leichten Knicks - der Handkuss wie in früheren Zeiten ist nicht mehr üblich. Sie werde gegen soziale Ungerechtigkeit kämpfen, betonte May anschliessend in ihrer ersten Rede. Es komme darauf an, «ein besseres Britannien bauen».

May ist die erste Frau an der Regierungsspitze seit dem Rücktritt von Margaret Thatcher 1990. Sie würdigte ihren Vorgänger David Cameron, der zuvor seinen Rücktritt bei der Queen eingereicht hatte. Cameron hatte seine Frau und drei Kinder mit in den Buckingham-Palast gebracht. Der Politiker, der für den Verbleib in der EU kämpfte, gab sein Amt wegen der schweren Niederlage beim Brexit-Referendum vom 23. Juni auf. 52 Prozent der Wähler hatten für den Austritt gestimmt.

(reuters/awp/mbü/me/chb)