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Attentat
Boston-Verdächtiger wurde bereits 2011 vom FBI befragt

Das Leid hat mehrere Gesichter. (Bild: Keystone)

Einer der beiden mutmasslichen Attentäter von Boston war bereits vor zwei Jahren ins Visier der US-Bundespolizei FBI geraten.

Veröffentlicht am 20.04.2013

Der bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötete 26-jährige Tamerlan Zarnajew sei Anfang 2011 vom FBI befragt worden, teilte die Behörde am späten Freitagabend (Ortszeit) mit.

Anlass sei die Anfrage einer ausländischen Regierung gewesen. Demnach soll Tamerlan Zarnajew "Anhänger eines radikalen Islams" gewesen sein und sich darauf vorbereitet haben, die USA zu verlassen, um sich Untergrundorganisationen anzuschliessen.

Laut FBI ergaben die Befragung von Zarnajew und dessen Familie sowie die Überprüfung von Reisedokumenten, Internetverkehr und persönlichen Kontakten damals allerdings keine Anzeichen einer "terroristischen Aktivität".

Nach Russland gereist

Welche ausländische Regierung die Untersuchung anstiess, gab das FBI nicht bekannt. Laut Medienberichten soll Tamerlan Zarnajew im letzten Jahr eine Reise nach Russland gemacht haben.

Tamerlan Zarnajew und sein festgenommener 19-jährigen Bruder Dschochar Zarnajew werden verdächtigt, die Bombenanschläge auf den Marathon von Boston verübt zu haben. Dabei wurden am Montag drei Menschen getötet und rund 180 zum Teil lebensgefährlich verletzt.

US-Sicherheitskreise vermuten einen islamistischen Hintergrund. Es gebe bislang aber keine Hinweise darauf, dass die Brüder Kontakte zum Extremistennetzwerk Al-Kaida oder anderen militanten Gruppen gehabt hätten. Die Suche nach etwaigen Verbündeten der beiden im In- oder Ausland habe nun oberste Priorität, sagte ein Sicherheitsbeamter.

In Kirgistan geboren

Die beiden Zarnajews sind Tschetschenen, die laut FBI allerdings in Kirgisistan geboren wurden. Sie waren mit ihrer Familie vor etwa zehn Jahren in die USA eingewandert. Dschochar nahm die US-Staatsbürgerschaft an.

Ruslan Zarni, nach eigener Auskunft Onkel der beiden Brüder, sagte, sie hätten sich in der Gegend des Bostoner Vororts Cambridge niedergelassen. Er selbst lebe in einem Vorort von Washington und habe mit den Brüdern seit 2009 nicht mehr gesprochen. Die Anschläge in Boston seien eine Schande für die Familie und das gesamte tschetschenische Volk.

Die Eltern der Brüder äusserten dagegen in getrennten Interviews, ihren Söhnen sei etwas angehängt worden, was sie nicht begangen hätten. Die beiden seien unfähig, solch ein Bombenattentat zu verüben. Ehemalige Klassenkameraden beschrieben die Brüder als gute, unauffällige Schulfreunde, bei denen kein Hang zum Extremismus zu erkennen gewesen sei.

(chb/sda)

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