Das britische Innenministerium gab in der Nacht zum Donnerstag die Bildung eines gemeinsamen Einsatzzentrums in der französischen Stadt Calais bekannt. Die Zentrale diene der Verfolgung «organisierter Krimineller», die versuchten, Migranten illegal nach Nordfrankreich und durch den Ärmelkanal nach Grossbritannien zu schmuggeln, teilte das britische Innenministerium am Donnerstag in London mit.

Das gemeinsame Kommandozentrum soll demnach die Zusammenarbeit der Polizeien beider Länder intensivieren und gleichberechtigt von einem britischen und einem französischen Chef geleitet werden. Zur Zahl der dortigen Beamten wurden keine Angaben gemacht. Die Innenminister beider Länder wollen die Arbeit des von ranghohen Polizisten beider Länder geleiteten Zentrums am Vormittag gemeinsam erläutern.

Repression und humanitäre Hilfe

Die gemeinsame Kommandozentrale ist eine der Massnahmen, die die britische Innenministerin Theresa May und ihr französischer Kollege Bernard Cazeneuve am Donnerstag bei einem Treffen in Calais in einem Abkommen vereinbaren wollen. Vorgesehen sind auch die Stationierung weiterer französischer Polizeieinheiten am Ärmelkanal, zusätzliche Fracht-Durchsuchungen, die Installation von Überwachungskameras und Flutlichtanlagen und der Einsatz von Infrarot-Technik. Neben der Sicherheitszusammenarbeit und dem Kampf gegen Schleuserbanden geht es darin auch um humanitäre Hilfe.

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In Calais sind tausende Flüchtlinge gestrandet, die auf ein besseres Leben in Grossbritannien hoffen. Die meisten von ihnen leben unter miserablen Bedingungen in einem selbst errichteten Zeltlager, das als «Neuer Dschungel» bekannt ist. Hilfsgruppen erwarten, dass die Zahl der Bewohner des Lagers bis Monatsende auf 4000 anwächst.

2000 Versuche pro Nacht

Täglich versuchen Flüchtlinge, in Calais auf die Züge durch den Eurotunnel oder auf die Fähren über den Ärmelkanal zu kommen, um so nach Grossbritannien zu gelangen. Ende Juli eskalierte die Situation mit mehr als 2000 Versuchen pro Nacht, auf das Gelände des Eurotunnels zu gelangen. Seitdem neue Zäune um das Gelände am Eurotunnel-Eingang errichtet wurden, ging die Zahl der Fluchtversuche allerdings auf etwa 150 pro Nacht zurück.

(sda/gku)