Die EU-Kommission verbietet die geplante rund 13 Milliarden Euro schwere Fusion der Mobilfunkanbieter O2 und Three in Grossbritannien. Es gebe die Sorge, dass für britische Mobilfunkkunden die Preise steigen und das Angebot schrumpfen könnte, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel nach einer monatelangen Überprüfung.

Three gehört zum Mischkonzern Hutchison Whampoa aus Hongkong, O2 zum spanischen Konzern Telefónica. Die CK Hutchison Holdings äusserte sich enttäuscht. Das Unternehmen will auch rechtliche Schritte prüfen. Das EU-Verbot kann vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) angefochten werden.

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Vier Player

«Mit dieser Blockade wird sichergestellt, dass weiter vier Mobilfunkanbieter miteinander konkurrieren», bilanzierte die dänische Kommissarin Vestager. Die übrigen Konkurrenten sind Vodafone und Everything Everywhere von BT (British Telecom).

Mit dem geplanten Zusammenschluss wäre ein führendes Unternehmen mit einem Marktanteil von über 40 Prozent entstanden. Für den Zukauf wollte Hutchison nach früheren Angaben 10,5 Milliarden Pfund (rund 14,7 Milliarden Franken) aufbringen.

Kurz vor «Brexit»-Referendum

Der Paukenschlag aus Europas Hauptstadt kommt wenige Wochen vor dem britischen EU-Referendum am 23. Juni. Fragen zu einem möglichen politischen Zusammenhang wies Vestager strikt zurück: «Wir können es nicht zulassen, dass sich die Politik in unsere (Wettbewerbs-)Fälle einmischt.» Die Entscheidung ihrer Behörde müsse stichhaltig sein und notfalls vor Gerichten standhalten. «Es ist die Rolle der Kommission, dass Zusammenschlüsse nicht den Wettbewerb schwächen.»

Der spanische Konzern Telefónica will trotz des gescheiterten Verkaufs der britischen Tochter O2 an seinen finanziellen Zielsetzungen festhalten, teilte das Unternehmen in Madrid mit. Telefónica-Präsident José María Alvarez-Pallete hatte am Vortag erklärt, ein Verbot des Milliardengeschäfts wäre eine «schlechte Nachricht». Das spanische Unternehmen hatte jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass es auf ein EU-Veto vorbereitet sei und über einen «Plan B» verfüge.

Seltene Intervention

Die EU-Wettbewerbshüter hatten bereits im vergangenen Oktober eine besonders gründliche Prüfung des Vorhabens begonnen. Sie befürchteten auch, dass der Ausbau der Netzinfrastruktur in Grossbritannien behindert werden könnte. Die Mobilfunkpreise auf der Insel gehörten zu den niedrigsten in der gesamten EU, erklärte Vestager.

Fusionsverbote sind in Brüssel vergleichsweise selten. Falls es Bedenken der Wettbewerbshüter gibt, versuchen Unternehmen in der Regel, mit Verhandlungen und Zugeständnissen – etwa dem Verkauf von Konzernteilen – für grünes Licht zu sorgen. Mit Blick auf Hutchison sagte Vestager: «Ihre Vorschläge haben nicht alle unsere Bedenken ausgeräumt.» Die Kommission untersucht zur Zeit auch das geplante Gemeinschaftsunternehmen von Hutchison und VimpelCom in Italien. Vestager äusserte sich nicht detailliert zu diesem Fall.

(sda/ise/gku)