Im Londoner Auktionshaus Bonhams kommen heute Donnerstag diverse millionenteure Gemälde  unter den Hammer, die zur Kunstsammlung des 2002 verstorbenen deutschen Kinderarztes und Philanthropen Gustav Rau gehörten. Er vermachte seine Sammlung kurz vor seinem Tod der UNO-Kinderhilfsorganisation Unicef, welche die Kunst nun zu Barem macht. Doch die neuen Eigentümer der Kunstgegenstände dürfen sich über den Zuschlag nicht zu früh freuen – in der Schweiz ist eine Strafanzeige hängig, berichtete die «New York Times».

Verdacht auf Veruntreuung

Der Bezirksrat Bülach hatte im September bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige wegen Verdachts auf Vermögensdelike, etwa Veruntreuung, eingereicht, bestätigt Ratsschreiber Peter Dürsteler handelszeitung.ch. Es gehe darum zu klären, ob die Gemälde und Kunstgegenstände der Unicef oder Raus Schweizer Stiftung gehörten. Bülach ist darum zuständig, da diverse Bilder unter anderem lange im Zollfreilager Embrach lagerten. Die neue Anzeige ist das letzte Kapitel in einer juristischen Auseinandersetzung, die vor über 16 Jahren ihren Anfang nahm.

Der Wert der Kunstsammlung des deutschen Philantropen Gustav Rau wird auf eine Milliarde Franken geschätzt. Er gründete 1971 die Dr.-Rausche-Medizinalstiftung zur Linderung von Elend und Krankheit und 1986 die Stiftung Rau für die Dritte Welt. Rau verfolgte damit ein einziges Ziel: Er wollte sein Vermögen zur Linderung von Elend in der dritten Welt einsetzen.

«Missstände» und «Vorkommnisse»

Mitte 1999 kam es zum Eklat, als die dem Eidgenössische Departement des Innern (EDI) angegliederte Stiftungsaufsicht feststellte, dass sich die Stiftungsräte «wiederholt und bewusst über amtliche Anordnungen (...) hinwegsetzten», wie Dokumente zeigen, die handelszeitung.ch vorliegen. Die Sitftungsaufsicht kam zum Schluss, «dass den aufgezeigten Missständen und Vielzahl von Vorkommnissen durch Einsetzung eines Beistandes ein Ende gesetzt werden muss» und wollte der Stiftung einen Beistand zur Seite setzen.

Die faktische Entmachtung von Gustav Rau durch die Einsetzung eines Beistandes war die Fortsetzung eines Konfliktes, der 1998 eskalierte, als das EDI in einer Verfügung die Urteilsfähigkeit von Stifter Gustrav Rau anzweifelte.

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Stiftung in Liechtenstein

Schon damals war der bis heute andauernde Konflikt Kernthema: So gehörte zu den Aufgaben des Beistandes die «Prüfung der Inventare der Kunstgegenstände auf Übereinstimmung mit dem Anhang zum Schenksvertrag zwischen Dr. Rau und der Crelona Stiftung vom 7./23.7 1997 und früheren Inventaren der Kunststiftung» sowie die «Prüfung des Standes und gegebenenfalls Fortführung der Verhandlungen mit Unicef e.V. betreffend Rückgängimachen der Schenkungsverträge vom 7./28.12.1998».

2000 konnte Gustav Rau durch einen Amtsgerichtsbeschluss im deutschen Baden-Baden seine Geschäftsfähigkeit nachweisen. Nur zwei Jahre später verstarb er. Seither beschäftigt sein Nachlass mehrere Behörden in der Schweiz und Deutschland. Zuletzt wurde 2008 vor einem deutschen Gericht die umstrittene Schenkung an die Unicef für rechtens befunden.

100'000 Franken für die Prozessanwälte

Vom juristischen Gezerre profitierten in der Vergangenheit vor allem die involvierten Anwälte. Die Honorarforderungen gehen in die Hunderttausende von Franken, zeigen Bilanzen der Rau'schen Stiftungen, die handelszeitung.ch vorliegen.

Aufgrund der Strafanzeige aus Bülach hat die Staatsanwaltschaft Zürich ein Vorabklärungsverfahren gegen Unbekannt eröffnet, sagte Staatsanwalt Stephan Keel gegenüber handelszeitung.ch.